Anfang Juli habe ich an dieser Stelle meine neue ultraleichte Biwakausrüstung vorgestellt. Nach 15 Übernachtungen während meiner Begehung der Sierra High Route bietet sich nun eine gute Gelegenheit, vorläufig Bilanz zu ziehen.

  • Bequemlichkeit: Die Kombination aus Matte und Schlafsack hat sehr gut gepasst. Ein Problem, das ich in jedem Schlafsack habe, ist, dass ich als Seitenschläfer meine Knie gerne weiter anwinkeln würde, als das möglich ist. Ansonsten war es aber sehr bequem. Für zukünftige Touren wäre ein Kopfkissen als Ergänzung eventuell ganz nett, das ist einfach angenehmer als sich zusammengelegte Wechselkleidung oder die Regenjacke unter den Kopf zu legen.
  • Wärme: Ich hatte gehofft, bis zu leichten Minusgraden gut klarzukommen, und das hat genau gepasst. Meine Schlafkleidung bestand üblicherweise aus einem sehr dünnen, langärmelige Merino-Hemd und einem Powerstretch-Fleece-Pulli darüber, einer langen Unterhose aus 200er Merinowolle und einem Paar wollenen Wandersocken. In einigen Nächten war es kühl, aber durch ein paar Situps oder das Überziehen der Daunenweste wurde es schnell wieder angenehm. Nur in der letzten Nacht fröstelte ich trotz allem, aber in dieser lagen die Temperaturen auf jeden Fall deutlich unter Null.
  • Wetterschutz: Den Regenschutz konnte ich kaum testen, da es nur in einer Nacht und da auch nur leicht regnete. Beim Schutz vor Wind zeigte sich das Tarp einem richtigen Zelt deutlich unterlegen, da es nicht bis auf den Boden reicht. Bei niedrigem Aufbau kann man sich recht gut vor dem Auskühlen schützen, aber ein gewisser Luftzug bleibt immer. Etwas unangenehm wird es, wenn man, wie es mir in der letzten Nacht passierte, aus Platzgründen das Tarp mit der offeneren Seite in Windrichtung aufstellen muss. Positiv bewerte ich die Windbeständigkeit des Tarp. Auch diese ist der eines Zeltes natürlich unterlegen, aber das Tarp hielt auch stark böigem Seitenwind problemlos stand, was ich nicht unbedingt erwartet hatte.
  • Kondensation: Wie man es von einem Einwandsystem erwartet, bildete sich an der Innenseite des Biwaksacks während der Nacht Kondenswasser. Die Atmungsaktivität war allerdings so gut, dass sich nur in den kältesten Nächten so viel Feuchtigkeit sammelte, dass ich Hemmungen hatte, den Schlafsack direkt einzupacken. Der Oberstoff des Schlafsacks hielt der Feuchtigkeit natürlich stand. Das Problem erledigte sich komplett, wenn ich unter dem Tarp schlief.
  • Auf- und Abbau: Der Aufbau des Tarp funktioniert etwas anders als der eines frei stehenden Zeltes. Aber wenn man sich daran einmal gewöhnt hat, geht es ziemlich schnell. In Kombination mit Teleskopstöcken bietet es dann flexible Aufstellmöglichkeiten, so dass man es Temperatur, Wind, etc. gut anpassen kann. Die Matte benötigt zum Aufblasen etwas mehr Zeit und mehr aktives Pusten als andere (schwerere) Matten.
  • Ein- und Aussteigen: Da das Tarp keine Tür hat, muss man auf allen Vieren darunterkrabbeln. Etwas unbequem wird es, wenn man es gegen Wind sehr niedrig aufstellt – dann kann man nur noch hineinkriechen. Am Schlafsack nervte der Reißverschluss, der insbesondere beim Aufziehen oft hakte.

Insgesamt bin ich sehr zufrieden mit meinem Biwaksystem. Die Komforteinbußen gegenüber einem Zelt werden für mich durch das geringe Gewicht und den damit verbundenen Komfortgewinn beim Gehen mehr als ausgeglichen. Außerdem gibt es kaum etwas Schöneres, als im Freien unter den Sternen zu schlafen. Für Touren allerdings, auf denen mit viel Niederschlag zu rechnen ist, ist ein einwandiges, bodenloses Pyramidenzelt wahrscheinlich angenehmer als das eher kleine Tarp.

Einen ausführlichen Beitrag (auf englisch) über die verschiedenen Möglichkeiten ultraleichter Schlafausstattung gibt es bei Backpacking North.