Tauchen auf den Philippinen vom 26.-30.04.2013

Gegen halb vier Uhr morgens war die Nacht gelaufen. Schweißgebadet lagen wir unterm Moskitonetz, der Ventilator hatte schon vor längerer Zeit aufgegeben und es war irre heiß. Doch was uns vor allem wach hielt war nicht die Hitze, sondern das beständige Krähen aus hunderten heiseren Hahnenkehlen. Man wünscht den Viechern die Vogelgrippe an den Hals oder das Metzgerbeil. Aber es half alles nichts, an Schlaf war nicht mehr zu denken und so blieb uns nichts übrig, als auf den Tagesanbruch zu warten. Willkommen auf Apo Island!

Apo Island – von München aus liegt es fast am anderen Ende der Welt. Mit Lufthansa ging es nach Hong Kong, dann mit Cebu Pacific über Cebu nach Dumaguete. Von dort mit einem Jeepney nach Malatapay und schließlich mit einem 6sitzigen hölzernen Trimaran an den Strand des 1500 x 700 m großen Eilandes.

Die Fischerboote liegen bereit

Hierhergeführt hatte uns das Tauchen. Ich wollte einen Anfängerkurs in „open water diving“, Claudia einen Aufbaukurs machen. Apo beherbergt das älteste Meeresschutzgebiet der Philippinen und einer der Initiatoren dieses Schutzgebietes ist ein von der Insel stammender Ingenieur und Tauchlehrer mit dem für diesen Teil der Welt unwahrscheinlichen Namen Mario Pascobello.

Wir hatten das Glück, in einem der drei Zimmer unterzukommen, die Mario vermietet. Nach einer wie eingangs beschrieben nur mäßig erholsamen ersten Nacht freuten wir uns auf erste Unterwasserabenteuer. Während Claudia zu ihrem ersten Tauchgang aufbrach ging ich an den Strand zum Schnorcheln. Schon nach wenigen Metern bekam ich die ersten Fische zu Gesicht und kurz darauf sogar eine Meeresschildkröte, die gerade zum offenen Meer hin aufbrach. Toll!

Schwieriger Beginn

Und dann war es soweit, mein erster Tauchgang stand an. Zunächst erklärte mir Mario die Ausrüstung. Darauf möchte ich hier nicht weiter eingehen, erwähnt sei nur das enorm wichtige BCD (buoyancy control device – Gerät zur Auftriebskontrolle), eine Weste mit Luftkammern, bei der man durch Hinzugeben und Entfernen von Luft den eigenen Auftrieb ändert. Anschließend erklärte er mir die Übungen, die wir machen würden und dann hieß es, Geraffel anlegen und ab an den Strand. Dann der erste Atemzug unter Wasser. Panik. Ich muss hier weg. Dazu Wasser in der Maske genau unter der Nase. Also noch mal rauf, Maske ausgeschüttelt, festgezurrt, wieder runter. Und wieder Panik. Bald wieder Wasser unter der Nase. Dieses Mal bleibe ich unten aber denke, dass das sicher nicht mein Sport wird.

Nach einigen Minuten legt sich das Gefühl akuter Lebensgefahr, mein Puls beruhigt sich und mein Atem ebenso. Es wird Zeit für die Übungen: Entfernen und wieder einsetzen des Mundstückes, atmen aus dem Zweitmundstück (AAS – alternate air source) des Anderen, Atmen ohne Maske (nochmals Panik), alles in ca. 2m tiefem Wasser. Schließlich sind wir durch’s Programm durch und tauchen noch etwas hinaus. Nach wenigen Metern tauchen die ersten Korallen und bunten Seesterne auf und dazugehörige Fische. Es ist wunderschön… und vielleicht doch was für mich…

Beim zweiten Versuch schon besser

Den Rest des Tages verbrachte ich mit Lernen – als angehender Taucher muss man einiges Lesen über Auftrieb, Druckausgleich, Sauerstofftoxizität und Stickstofflöslichkeit im Blut, dazu über das Verhalten unter Wasser und den korrekten Einsatz der Ausrüstung. Am Ende des Kurses soll man schließlich in der Lage sein, selbständig auch ohne Lehrer zu tauchen. Und dafür sind auch einige theoretische Grundlagen vonnöten.

Mario und ich machen uns bereit für einen weiteren Tauchgang

Am nächsten Tag stand dann mein zweiter Tauchgang auf dem Programm. Während Claudia Unterwassernavigation lernte, musste ich wieder Grundlagen üben: Abnehmen und Anlegen von Ballastgürtel und BCD unter Wasser, Atmen bei leerem Lufttank, Schweben unter Wasser und auch wieder Abnehmen der Maske, was beim zweiten Mal gar nicht mehr so schlimm war. Auch der Druckausgleich für die Ohren klappt schon viel besser als beim ersten Tag. So langsam beginnt es, mir Spaß zu machen.

Alles okay

Die Nächte waren allerdings weniger spaßig. Gibt es eigentlich Haustiere, die noch bekloppter sind als Hähne? Ein Hahn mit durchschnittlichem Selbstbewusstsein fängt zwischen drei und vier nachts an zu Krähen und hört kurz vor Sonnenuntergang wieder auf. Vermutlich macht er zwischendurch auch noch irgend etwas Anderes, z.B. Körner picken, aber im Wesentlichen verbringt er Tag und Nacht damit, durch Lärmentwicklung seine Männlichkeit zu bezeugen. Ein ganz schön trauriges Leben!

Ebbe im Hafen von Apo

Drei mal Tauchen an einem Tag

Nachdem ich an den ersten beiden Tagen jeweils einen Tauchgang absolviert hatte, standen am dritten gleich deren Drei auf dem Programm. Wie üblich war ich etwas unausgeschlafen, als es morgens losging, aber trotzdem schon voller Vorfreude.

Der erste Tauchgang des Tages ging wiederum direkt am Hafen der Insel los, dieses Mal aber etwas weiter hinaus und immerhin bis auf ca. 10m Tiefe. Dabei gab es einiges zu sehen: Zwei Suppenschildkröten, lange, schmale Flötenfische, bunte Falterfische und Papageienfische, große Fledermausfische, prächtige Soldatenfische und Nasendoktorfische, dazu Seegurken und ein Dornenkronenseestern, den Mario nicht gerne sah, da er sich von Korallen ernährt und kaum natürliche Feinde hat.

Ein Dornenkronenseestern
Seeanemone mit Anemonenfisch

Es war wunderbar, wie schwerelos durch dieses Unterwasserparadies zu gleiten. Dass die Schwerelosigkeit aber nur gefühlt ist, zeigte sich in meinem hohen Luftverbrauch, der bewies, dass ich mich doch noch recht viel bewegen musste. Als ich Mario anzeigte, dass der Tank fast leer war, erwartete ich, dass wir auftauchen würden. Stattdessen gab er mir sein AAS und wir tauchten weiter. Ich dachte erst, dass er das doch nicht ernst meinen könne, aber dann nahm ich das Ding halt und wir tauchten noch zehn Minuten notgedrungen eng beieinander zurück zur Küste. „Beim nächsten Tauchgang steht eine Wiederholung des Atmens aus dem AAS auf dem Programm, aber wir haben jetzt schon mal geübt,“ grinste er mich an, als wir wieder oben waren. Na dann…

Wimpelfische
…und noch mal einer in groß

Der zweite Tauchgang des Tages wurde mein erster von einem Boot aus. Dieses Mal war auch Claudia mit dabei, die ihren Kurstauchgang für heute schon hinter sich hatte. Wieder sahen wir jede Menge bunter Fische, zu den bereits erwähnten kamen noch verschiedene Drückerfische (unter anderem wunderschöne Orangestreifen-Drückerfische) sowie ein prächtiger Feuerfisch hinzu. Auf einer sandigen Fläche fanden wir außerdem tausende mikroskopisch kleiner Krebse. Hier scheint wirklich alles voller Leben zu sein!

Wer wundert sich mehr über diese Begegnung – Claudia oder die Schildkröte?
Ein Feuerfisch

Der dritte Tauchgang des Tages an Rock Point West sollte einer der schönsten dieses Urlaubs werden. Wiederum ging es von einem Boot aus ins Wasser. Mittlerweile hatte ich alle Übungen absolviert und abgesehen von einem letzten Abnehmen der Maske in ca. 10m Tiefe und einer kurzen Navigationsübung konnte ich mich voll auf das Bestaunen der maritimen Tierwelt konzentrieren. Einer der Höhepunkte war eine riesige Suppenschildkröte, die sich inmitten der Korallen ausruhte. Sie wirkte schwerfällig und behäbig, wie sie so dalag. Doch als sie sich schließlich erhob und mit langsamen Schlägen Ihrer Beinflossen davonschwamm, schien alles schwerfällige von ihr abzufallen und elegant entschwebte sie durchs klare Wasser.

Eine Schildkröte erhebt sich von ihrem Ruhebett zwischen den Korallen…
… und schwimmt elegant davon

Der Tauchgang führte an einer Riffmauer entlang bis auf 20m Tiefe.  Die Sicht war hervorragend und ein Schule von Rotzahn-Drückerfischen, dazu Nasendoktorfische, Falterfische, Clownfische, Schnapper und eine Gelbmaulmuräne erfreuten Auge und Herz des Sporttauchers. Zum Abschluss wurde es dann noch einmal ein wenig spannend, da die Nullpunktkalibrierung meines Luftdruckmessers nicht stimmte. Dadurch ging mir dann in einigen Metern Tiefe etwas unverhofft die Luft aus. Zum Glück war Mario direkt neben mir, so dass ich aus seiner AAS atmen konnte, sonst hätte ich auftauchen müssen. Das Gefühl, keine Luft mehr aus dem Tank zu bekommen, war ganz schön unangenehm, mir aber eine Lehre (Kalibrierung immer vor dem Tauchgang prüfen!).

Falterfische

Der fünfte war gleichzeitig auch der letzte Tauchgang des Kurses. Anschließend legte ich die theoretische Prüfung ab und erwarb das „open water diver“-Zertifikat der Padi-Tauchlehrer-Vereinigung. Doch noch hatte ich nicht genug und am nächsten Tag stand für Claudia und mich noch ein besonderes Schmankerl an.

Die Sonne geht über Negros unter

Doch vorher galt es eine weitere heiße (und laute) Nacht zu bestreiten. Strom gibt es auf Apo nur zwischen 18:00 Uhr und 21:30 Uhr, so dass an durchgehende Ventilation (von einer Klimaanlage ganz zu schweigen) leider nicht zu denken ist. Zunächst taten uns die Inselbewohner leid, die nur dreeinhalb Stunden Elektrizität pro Tag genießen können, doch dann erfuhren wir, wie es dazu gekommen war: Als vor einigen Jahren der Stromgenerator für Apo angeschafft wurde, gab es zunächst 12 Stunden Strom pro Tag – von Mittag bis Mitternacht. Der Strom ermöglichte neben vielem Anderen auch das Ausleben einer besonderen philippinischen Leidenschaft: Karaoke. Philippinos lieben Karaoke; und wenn sie nicht gut singen, dann mindestens laut und voller Begeisterung. Dies wiederum führte zu Streit mit den Fischern, die jeden Morgen um drei aufstehen müssen und sich durch die Beschallung in ihrem Schlaf gestört fühlten. Sie wollten den Strom auf die Zeit zwischen 18:00 Uhr und 21:00 Uhr beschränken, damit den Rest des Tages Ruhe herrscht (an die Hähne sind sie wohl gewöhnt). Da eine damals beliebte Fernsehserie aber bis 21:30 Uhr lief, einigte man sich auf diese Zeit als Abschaltzeit. Seitdem hat die Insel also nur dreieinhalb Stunden Strom am Tag – dank einer freien Entscheidung ihrer Bewohner.

Einfach treiben lassen

Am nächsten Morgen ging es früh los. Um sechs Uhr aufzustehen war angesichts krähender Umstände kein Problem und bereits zehn vor sieben glitten Claudia, Mario und ich vom Boot aus ins warme Wasser des Coconut-Tauchreviers. Hier führt eine mäßig starke Strömung an einer Riffmauer entlang, so dass man sich eigentlich nur treiben lassen und genießen muss. Leider war die Sicht nicht ganz so gut wie am Vortag, trotzdem wurde es ein fantastischer Tauchgang. Röhrenaale, Flötenfische, ganze Schulen aus Stachelmakrelen, Nasendoktorfischen und Drückerfischen, Clownfische, Leopard-Drückerfische, Pfauen-Kaiserfische und viele andere Spezies ließen sich blicken. Höhepunkt war jedoch der Anblick von 4 riesigen Büffelkopf-Papageienfischen, alle deutlich über einen Meter lang, die in majestätischer Ruhe am Riff entlang schwammen.

Eine auffallend rote Hirnkoralle

Ein Kugelfisch

So wurde dieser Tauchgang ein würdiger Abschluss unseres Aufenthaltes auf Apo Island. Nach dem Mittagessen verabschiedeten wir uns von den Mitarbeitern und Verwandten in Marios Tauchschule, dann bestiegen wir erneut eines der kleinen Boote, um auf die Nachbarinsel Negros zurückzukehren. Und während Apo hinter uns langsam kleiner wurde, waren wir noch ganz erfüllt von den freundlichen, herzlichen Menschen, den bunten Fischen und eleganten Schildkröten und den kräftigen Farben der Korallen. Diese Insel wird uns noch lange im Gedächtnis bleiben. Nur die Hähne werden wir nicht vermissen.

Der Hafen von Apo im Abendlicht