Reise durch Mexiko vom 11.-13.07.2018

In diesem Jahr führte der Sommerurlaub Claudia und mich nach Mexiko, genauer in den mexikanischen Teil der Yucatán-Halbinsel. Unter Anderem besichtigten wir dort drei frühere Maya-Städte. Ein Höhepunkt, der beschrieben werden will.

Natürlich – das Klatschen funktioniert auch hier vor der großen Pyramide in Uxmal. Den Trick haben wir zwei Tage zuvor in Chichén Itzá gelernt. Direkt vor der Treppe der großen Pyramide stehend verursacht lautes Klatschen ein Echo, das wie der Ruf des Vogels Quetzal klingt. Man muss dazu die Handflächen ineinander krümmen und so einen Resonanzraum erzeugen, sonst reicht die Lautstärke nicht für den Echo-Effekt. Zufall kann das an zwei unterschiedlichen Orten kaum sein. So hatten die Maya also offenbar ausreichend Wissen um Architektur und Mathematik, um solche Soundeffekte zu designen.

Architektonische Höhepunkte danke kultureller Verschmelzung

Die wahrscheinlich bekannteste Maya-Stadt in Mexiko ist Chichén Itzá, seit 1988 UNESCO Weltkulturerbe und eine der größten Ruinenstädte Yucatáns. Wir lassen sie uns von Manuel, einem einheimischen Führer, zeigen und erklären. Die Hauptattraktion ist natürlich die Große Pyramide im Zentrum des moderneren Teils der Ruinenstadt. Auf ihrer Spitze trägt sie den Tempel des Kukulkan, der gefiederten Schlange.

Große Pyramide in Chichén Itzá: Rechts restauriert, links im Zustand bei Wiederentdeckung.

Große Pyramide in Chichén Itzá: Rechts restauriert, links im Zustand bei Wiederentdeckung.

Auf der Pyramide steht der Tempel des Kukulkan, der gefiederten Schlange.

Auf der Pyramide steht der Tempel des Kukulkan, der gefiederten Schlange.

Die Pyramide wurde offenbar sehr sorgfältig geplant. Neben dem erwähnten Klatscheffekt gibt es noch zwei weitere Besonderheiten. Schritte im oberen Bereich der Treppen klingen angeblich wie Regentropfen, die in einen Eimer fallen. Und einen Lichteffekt gibt es auch: Zur Sonnenwende werfen die Stufen der Pyramide einen Schatten auf die nordseitige Treppe. Zusammen mit den steinernen Schlangenköpfen am Sockel wirkt dieser Schatten, als winde sich eine Schlage von der Pyramide hinab. Nicht schlecht für ein fast 1000 Jahre altes Bauwerk!

Hier windet sich die Schlange hinab.

Hier windet sich die Schlange hinab.

Nordtreppe mit Schlangenkopf.

Nordtreppe mit Schlangenkopf.

Für das Verständnis der gesamten Anlage ist wichtig, zu verstehen, dass in den Karstgebieten Yucatáns Wasser knapp ist. Dementsprechend wichtig war das pünktliche Einsetzen der Regenzeit. Mit Ritualen zu Ehren der gefiederten Schlange sollte der Gott gnädig gestimmt werden, Regen zu bringen. Kukulkan übernahm damit die Funktion des klassischen Maya-Regengottes Chaac.

Chichén Itzá ist nämlich nicht ganz repräsentativ für die Maya, zeigt sie doch eine Verschmelzung der einheimischen Kultur mit der der Tolteken. Letztere waren zur gleichen Zeit im mexikanischen Hochland ansässig. Erst durch den toltekischen Einfluss bekam die gefiederte Schlange in der Mythologie der Stadt ihre herausragende Bedeutung. Wie genau dieser Einfluss aus Zentralmexiko zustande kam, ist nicht klar. Eventuell lebten sogar Tolteken in Chichén Itzá und bildeten mit den Maya eine gemeinsame Krieger- und Oberschicht.

Der Kriegertempel in Chichén Itzá ist von zahlreichen Säulen umgeben.

Der Kriegertempel in Chichén Itzá ist von zahlreichen Säulen umgeben.

Toltekischer Adler und Maya-Jaguar: Hinweise auf eine kulturelle Verschmelzung.

Toltekischer Adler und Maya-Jaguar: Hinweise auf eine kulturelle Verschmelzung.

Alles drehte sich um Regen

Zurück zum Regen. Was passierte, wenn die Huldigungen nicht ausreichend waren, zeigt uns Manuel am Kriegertempel. Dann wurde nämlich ein besonders angesehener Krieger geopfert, um die Unterstützung des ungnädigen Gottes zu erlangen. Dem Geopferten zu Ehren wurde dann neben dem Tempel eine Säule errichtet. Immerhin 800 solcher Säule kamen über die Jahrhunderte zusammen, Huldigen und Klatschen hat also offenbar nicht immer ausgereicht für den Regen.

Später spazieren wir in der zunehmenden Hitze des Vormittags weiter zum Ballspielplatz. Quasi das Stadion Chichén Itzás. Früher wurde hier Poc-Ta-Poc gespielt, eine Art Handball. Zwei Mannschaften zu je sieben Spielern traten hier gegeneinander an. Und Manuel demonstriert uns hier einen weiteren Soundeffekt. Wenn man nämlich auf dem Spielfeld in die Hände klatscht, gibt es ein siebenfaches Echo – eins für jeden Spieler einer Mannschaft. Und am Mittelpunkt verdoppelt sich das Echo nochmal und alle 14 Spieler bekommen ihr eigenes Echo. Früher, als nicht nur ein paar Touristen in die Hände geklatscht haben, sondern Hunderte von Zuschauern, muss das für die Spieler sehr beeindruckend gewesen sein.

Der soundoptimierte Ballspielplatz

Der soundoptimierte Ballspielplatz

Der König hatte eine Privatloge.

Der König hatte eine Privatloge.

Gespielt wurde nur zu bestimmten Feiertagen. Der Kapitän der Siegermannschaft war anschließend der angesehenste Krieger der Stadt. Und damit musste er dann auch herhalten, wenn zum Herbeiführen von Regen ein Menschenopfer notwendig wurde. Beim Poc-Ta-Poc zu gewinnen, war also ein zweischneidiges Schwert.

Auch vom Ballspielplatz aus beeindruckt die Große Pyramide.

Auch vom Ballspielplatz aus beeindruckt die Große Pyramide.

Auch der alte Teil von Chichén Itzá ist lohnend

Eigentlich ist hier die Führung beendet. Doch als ich sage, dass ich gerne noch das Observatorium sehen möchte, lässt sich Manuel nicht lange bitten. Er hat offensichtlich Freude daran, uns auch den älteren Teil von Chichén Itzá zu zeigen. Die Gebäude hier sind alle eine Nummer kleiner als rund um die Große Pyramide und – frei von toltekischen Einflüssen – im Puuc-Stil erbaut. Den Quetzal-Effekt gibt es auch hier bei einer Pyramide, aber längst nicht so schön wie an der neueren, größeren. Anscheinend wurde das Sounddesign im Laufe der Stadtgeschichte noch weiterentwickelt.

Im älteren Teil der Ruinenstadt sind die Gebäude kaum restauriert.

Im älteren Teil der Ruinenstadt sind die Gebäude kaum restauriert.

Mein persönlicher Höhepunkt in diesem Teil der Stadt ist natürlich das Observatorium. Ja, die Maya hatten tatsächlich ein Gebäude, das der Himmelsbeobachtung gewidmet war. Sie beobachteten die Sterne, in dem sie auf ein Wasserbasin unter einem Loch in der Decke blickten. Das Wasser reflektierte den Himmel und vermied eine Genickstarre bei den Beobachtern. Diese Beobachtungen waren die Basis für den berühmten Maya-Kalender, der Himmelsphänomene wie z.B. Sonnen- und Mondfinsternisse erstaunlich genau vorhersagen konnte.

Ex-Astronom vor früherem Observatorium

Ex-Astronom vor früherem Observatorium

Ansonsten gibt es hier weitere Tempelbauten, einen zweiten, kleineren Ballspielplatz und Meditationszellen zu bewundern. Letztere sind mit aufwändigen Reliefen umgeben, die das Antlitz Chaacs zeigen. Wahrscheinlich wurde also auch hier für Regen meditiert. Nun aber endet unsere Führung tatsächlich. Wir verabschieden uns von Manuel und schlendern noch ein wenig über das Gelände.

Auch im hinteren Teil finden sich noch aufwändig verzierte Maya-Bauten.

Auch im hinteren Teil finden sich noch aufwändig verzierte Maya-Bauten.

Die eigentlich Stadt war noch viel größer als der heute zugängliche Bereich. Letzterer war früher das repräsentative Zentrum der Stadt. Etwa wie Berlin Mitte zwischen Brandenburger Tor und Berliner Dom. Aber für heute war es genug. Von der Hitze ermüdet fahren wir zurück nach Valladolid in unser Hotel. Zweit Tage später stehen dann noch einmal die Maya im Mittelpunkt des Geschehens, dieses Mal die Ruinen von Uxmal im Westen Yucatans.

Uxmal, die Hügelmetropole

Heute ist Eusebio unser Führer. Und ja, seine Eltern gaben ihm den Namen zu Ehren des portugiesischen Fußballers. Wie Manuel ist auch er Maya, von denen heute etwa sechs Millionen in Mexiko, Belize, Guatemala, Honduras und El Salvador leben. Sie sprechen noch immer die Sprachen ihrer Vorfahren. Und auch manche kulturelle Tradition hat Christianisierung und Hispanisierung Mittelamerikas überlebt.

In Uxmal läuft man gleich hinter dem Eingang auf eine große Pyramide („Adivino-Pyramide“) zu. Als einzige der großen Maya-Pyramide hat sie einen ovalen Grundriss. Die Treppen aber sind gerade und lassen den Quetzal genau so rufen wir jene in Chichén Itzá. Überhaupt ist die Architektur in Uxmal der im alten Teil von Chichén sehr ähnlich.

Die Adivini-Pyramide in Uxmal hat als einzige einen ovalen Grundriss.

Die Adivini-Pyramide in Uxmal hat als einzige einen ovalen Grundriss.

Im oberen Bereich der Pyramide befinden sich mehrere kleine Tempelbauten.

Im oberen Bereich der Pyramide befinden sich mehrere kleine Tempelbauten.

Chaac-Masken gibt es in Uxmal viele z bewundern.

Chaac-Masken gibt es in Uxmal viele z bewundern.

Ansonsten aber sind beide Städte sehr unterschiedlich. Während das Gelände in Chichén eben ist, liegt Uxmal auf einigen niedrigen Hügeln, die der Stadt ein ganz anderes Flair geben. Die umbauten Höfe wirken irgendwie heimeliger als die große, ebene Fläche in Chichén. Architektonischer  Höhepunkt ist der Herrscherpalast („Gouverneurspalast“) , der auf den eingeebneten Resten zweier Vorgängergenerationen an Palästen steht. Angeblich leitet sich daraus auch der Name der Stadt ab, denn „ox-mal“ bedeutet „dreimal“. Neben der Plattform des Palastes steht die größte Pyramide von Uxmal, die allerdings in keinem guten Zustand ist. Nur die Treppe auf der Westseite wurde rekonstruiert, der Rest ist teilweise verfallen und mutet eher wie ein Hügel an als wie ein Bauwerk.

Der Größte der umbauten Höfe in Uxmal

Der Größte der umbauten Höfe in Uxmal

Die Adivino-Pyramide ist allgegenwärtig.

Die Adivino-Pyramide ist allgegenwärtig.

Der "Gouverneurspalast" ist das eindrucksvollste Gebäude Uxmals.

Der „Gouverneurspalast“ ist das eindrucksvollste Gebäude Uxmals.

Weitere Gebäude am Rande der Stadt sind noch stärker verfallen und gehen in den Dschungel über. So vermittelt Uxmal einen Eindruck davon, wie schwierig es gewesen sein muss, diese Ruinen überhaupt zu entdecken. Leider ist auch über die genaue Funktion der einzelnen Gebäude recht wenig bekannt. Trotzdem kann ich mir gut vorstellen, dass hier einmal städtisches Leben geherrscht hat.

Der Bau von Bögen war den Maya unbekannt.

Der Bau von Bögen war den Maya unbekannt.

Neben Ruinen sind in Uxmal auch viele Reptilien zu sehen.

Neben Ruinen sind in Uxmal auch viele Reptilien zu sehen.

Die Große Pyramide bietet einen prima Blick über die Ruinenstadt.

Die Große Pyramide bietet einen prima Blick über die Ruinenstadt.

Wie viele Maya-Städte liegen noch im Dschungel?

Nach Uxmal fahren wir noch ins etwas weiter südlich gelegene Kabah. Auch dieser kleinere Ort hat einige beeindruckende Gebäude vorzuweisen. Und das, obwohl nur eine Hälfte des Geländes überhaupt zugänglich ist. Besonders sticht der Codz Poop, der Palast der Masken, hervor: Die Westseite des Gebäudes ziert ein breites Band aufwändig gestalteter Chaac-Masken. Und auf der gegenüberliegenden Seite sind zwei mannshohe Steinfiguren in die Fassade eingefügt, was in der Maya-Architektur sehr selten ist. Meistens sind Abbildungen von Menschen nur als Reliefs ausgestaltet und nicht als Skulpturen.

Die Ruinen von Kabah

Die Ruinen von Kabah

Menschliche Skulpturen sind selten bei den Maya; um so beeindruckender ist dieses Exemplar.

Menschliche Skulpturen sind selten bei den Maya; um so beeindruckender ist dieses Exemplar.

Das ruhige Kabah lädt auch zu einer Pause ein.

Das ruhige Kabah lädt auch zu einer Pause ein.

So scheint auch dieser Ort von seinen ganz eigenen Geheimnissen umweht. Die zweite Hälfte der Anlage fast noch mehr, denn sie liegt unzugänglich in dichtem Wald. Über einen Steinwall erhasche ich durch die Blätter einen schemenhaften Eindruck der Großen Pyramide. Und frage mich, wie viele Ruinen wohl noch in den Wäldern Yucatáns verborgen liegen. Allein auf den 18km zwischen Kabah und Uxmal liegen schon zwei weitere Ruinenstätten. Und wer weiß, ob so manch andere noch gar nicht entdeckt wurde in all der Wildnis? Auch Eusebio meint, es gäbe Schätzungen, dass bis zu einem Drittel der alten Maya-Orte noch auf ihre Entdeckung warte.

Dieses Tor markiert das Ende einer alten Maya-Straße.

Dieses Tor markiert das Ende einer alten Maya-Straße.

Als die Spanier zu Beginn des 16. Jahrhunderts Yucatán erreichten, waren viele der klassischen Maya-Städte bereits verlassen. Und die Maya-Bevölkerung hielt die Lage vieler solcher Stätten absichtlich geheim, um sie vor Zerstörung zu retten. Denn wo die Spanier bewohnte Städte einnahmen, blieb oft nicht viel übrig vom kulturellen Erbe der Erbauer. In Izamal z.B. erinnern nur noch einige große Pyramidenreste an die Maya. Andere wurden überbaut, z.B. vom großen Fanziskaner-Kloster, das heute den Mittelpunkt des Ortes bildet. Und die bedeutende Stadt Ti’Ho‘ wurde zu Mérida, heute eine Provinzhauptstadt, in der wirklich gar nichts von den Maya geblieben ist.

In Izamal wurde eine der großen Pyramiden mit diesem Kloster überbaut.

In Izamal wurde eine der großen Pyramiden mit diesem Kloster überbaut.

Alles wurde in Izamal nicht überbaut und einige Pyramidenreste haben überdauert.

Alles wurde in Izamal nicht überbaut und einige Pyramidenreste haben überdauert.

So scheint die kulturelle Kontinuität von den Ruinen im Dschungel zu den heutigen Maya begrenzt. Dank systematischer Zerstörung alter Schriften ist über die genaue Geschichte der Städtebauer nur wenig bekannt. Viele Stätten wurden erst im 19. und 20. Jahrhundert von Archäologen wiederentdeckt. Und so werden wir die Geheimnisse dieser Orte wahrscheinlich nie wieder ganz erschließen können. Ein Besuch lohnt sich trotzdem, gewährt er doch einen Blick in eine uns fremde Hochkultur. Eine, die so ganz anders ist als unsere griechisch-römischen Wurzeln in Europa.

 

Quellen: Wikipedia, Deutschlandfunk