Roadtrip in Neuseeland vom 15.12.2017 bis 13.01.2018

Im letzten Abschnitt unserer Neuseelandreise standen die Südlichen Alpen im Mittelpunkt, bevor wir ganz zum Schluss noch einmal anderthalb Tage in Christchurch verbrachten. Es wurde ein gebührender Abschluss dieser Traumreise.

05.01. Wir sind in Queenstown angekommen und heute steht nach längerer Zeit mal wieder gar nichts auf dem Programm. Das Wetter ist ohnehin nicht gut, so ist es ein perfekter Tag, um uns auszuruhen und die vielen Eindrücke der letzten Tage in Fjordland sacken zu lassen. Abends genehmigen wir uns noch einen Drink am Ufer des Lake Wakatipu und bewundern die sehr passend benannte Bergkette der Remarkables auf der anderen Seite. Das war’s dann auch schon wieder mit Action an diesem Tag.

Lake Wakatipu besticht durch sein herrlich klares Wasser.

Lake Wakatipu besticht durch sein herrlich klares Wasser.

06.01. Queenstown nennt sich auch „Adventure Capital of the world“. Sky diving, bungee jumping, zip lining, rock climbing, dirt biking, jet boating, river rafting sind so die Sachen, die man hier macht. Und wir? Wir möchten heute wandern gehen. Ursprünglich hatten wir uns mal den bei Glenorchy am Nordende von Lake Wakatipu gelegenen Mount Alfred als Ziel ausgesucht. Leider ist dieser Berg jedoch nicht mehr zugänglich. Dem Landbesitzer war der Trubel auf seinem Berg irgendwann zu groß, so dass seit ca. einem Jahr nur noch geführte Wandergruppen dort hinauf dürfen. Tja, schade.

Zum oberen Ende des Sees hin wird die Umgebung noch alpiner.

Zum oberen Ende des Sees hin wird die Umgebung noch alpiner.

Stattdessen möchten wir nun den nahegelegenen Mount Judah besteigen. Hier wurde früher Scheelit, ein wolframhaltiges Mineral, abgebaut, wovon noch einige verlassene Bergbauhütten sowie ein Straßennetz zeugen. Die Straßen werden mittlerweile teilweise als Wanderwege genutzt, in einigen der Hütten kann man rasten. Der offizielle Wanderweg führt zwar um unseren Berg herum, aber laut Karte führt ein anderer Weg fas bis zum Gipfel. Am Abzweig werden wir jedoch enttäuscht. „Property of Wyuna Station. No public access.“ Scheint nicht viel her mit Jedermannsrecht, wie wir es von zu Hause kennen. Blöd. Um den Berg herum laufen und dann 500 Hm durch steiles, wegloses Gelände aufsteigen, macht uns auch nicht so an, so dass wir den Rückzug antreten.

Dieses Gefährt ist ein Überbleibsel des Scheelit-Bergbaus.

Dieses Gefährt ist ein Überbleibsel des Scheelit-Bergbaus.

Von der anderen Seeseite grüßt Mount Turnbull herüber.

Von der anderen Seeseite grüßt Mount Turnbull herüber.

Statt wandern trinken wir einen Kaffee in Glenorchy und fahren noch ins Tal des Dart River, das von hier aus wunderbar in die Mount Aspiring-Gruppe hineinzieht.  Auch schön, trotzdem fahren wir ein wenig enttäuscht zurück nach Queenstown.

07.01. Heute gehen wir getrennte Wege. Claudia hat eine Canyoning-Tour gebucht, an der ich verletzungsbedingt nicht teilnehmen möchte. Stattdessen gehe ich noch einmal wandern. Vom gestrigen Misserfolg angestachelt fahre ich noch einmal nach Glenorchy, um den 1965m hohen Mount Alaska zu besteigen. Dieser liegt, das habe ich dieses Mal geprüft, garantiert nicht auf Privatbesitz.

Mount Earnslaw bewacht den Eingang zum Mount Aspiring Nationalpark.

Mount Earnslaw bewacht den Eingang zum Mount Aspiring Nationalpark.

09:15 Uhr starte ich meinen Ausflug und wandere zunächst den selben, eher unspannenden Weg wie am Vortag entlang. Hinter dem Mount Judah geht es dann steil einen ersten Hang des Mount Alaska hinauf zur sehr rustikalen Heather Jock Hut, an der der Wanderweg endet. Nach zwei Stunden komme ich hier an und mache eine kurze Pause. Leider ist es in diesen zwei Stunden zugezogen, noch sieht das Wetter aber brauchbar aus.

Das Tagesziel kommt in den Blick.

Das Tagesziel kommt in den Blick.

In der rustikalen Heather Jock Hut kann man übernachten.

In der rustikalen Heather Jock Hut kann man übernachten.

Nun liegen noch ca. 600 weglose Höhenmeter vor mir, wobei der Aufstiegsweg durch den Kammverlauf klar vorgezeichnet ist. Ich stoße auch immer wieder auf Steigspuren und teilweise sogar breite, halb verfallene Wege. Schwierig ist das alles nicht und sogar leichter, als es vorher von unten ausgesehen hat. Einen Zug im I. Grad „klettere“ ich, der Rest ist Gehen.

Mount Judah (rechts vorne) liegt bereits unter mir.

Mount Judah (rechts vorne) liegt bereits unter mir.

Viertel vor eins erreiche ich den Gipfel.  Die Aussicht ist irre. Über den Lake Wakatipu hinweg erblicke ich eine Bergkette nach der anderen. Von dort ziehen einige Regenschauer heran. Das wird zwar nass, wirkt dafür sehr dramatisch. Ich ziehe mir die Jacke an und bestaune hoch zufrieden meine Umgebung. Einfach toll, jetzt hier zu sein.

Mount Larkin ist der höchste Gipfel der direkten Umgebung.

Mount Larkin ist der höchste Gipfel der direkten Umgebung.

Ein Gipfel-Selfie muss sein.

Ein Gipfel-Selfie muss sein.

Mittlerweile sind überall Wolken aufgezogen.

Mittlerweile sind überall Wolken aufgezogen.

Mit den ersten Regentropfen steige ich ab. Die Überschreitung zum Mount Judah, die ich ins Auge gefasst hatte, lasse ich lieber sein. Denn die steilen, grasigen Abschnitte des Verbindungsgrates möchte ich nicht bei Nässe begehen. Das Gras hier ist schon trocken tückisch genug.

Über den Lake Wakatipu zieht ein Regenschauer heran.

Über den Lake Wakatipu zieht ein Regenschauer heran.

Mount Alfred bietet durch seine isolierte Lage eine tolle Aussicht.

Mount Alfred bietet durch seine isolierte Lage eine tolle Aussicht.

Diese nette Überschreitung ließ ich aus Wettergründen leider aus.

Diese nette Überschreitung ließ ich aus Wettergründen leider aus.

Stattdessen geht es also auf dem Aufstiegsweg hinab. Nach einem kleinen Erkundungsabstecher ins Tal des Bonnie Jean Creek gehe ich dann bei inzwischen wider freundlichem Wetter zurück zum Parkplatz und fahre zufrieden zurück nach Queenstown. Nach dem Reinfall gestern war das heute eine richtig schöne Tour.

Ich steige wieder ab.

Ich steige wieder ab.

Die Wolken sorgen für interessante Lichtverhältnisse.

Die Wolken sorgen für interessante Lichtverhältnisse.

Abends essen wir dann, was man als Tourist in Queenstown einfach essen muss: Einen riesigen, frischen und saftigen Burger bei Fergburger und später ein herrlich cremiges und fruchtiges Eis bei Mrs Ferg. Mmmmmmh.

08.01. Etwas über 250 km Fahrstrecke sind heute zu bewältigen. Unser Ziel ist das Aoraki / Mount Cook Village im gleichnamigen Nationalpark und unweit des ebenfalls gleichnamigen Berges (wer hätte es gedacht?).

Auch sehenswert: Bungee Jumping von der Kawarau Bridge

Auch sehenswert: Bungee Jumping von der Kawarau Bridge

Ein Höhepunkt der Fahrt ist der leuchtend türkise Lake Pukaki, in den der Tasman River das Schmelzwasser der großen Gletscher des Nationalparks transportiert. Leider sind die hohen Berge dahinter alle wolkenverhangen und lassen sich nicht recht blicken.

Das Wasser des Lake Pukaki hat eine ganz besondere Farbe.

Das Wasser des Lake Pukaki hat eine ganz besondere Farbe.

Abends stellen wir unseren Camper an der White Horse Hill Campsite ab und kochen uns noch etwas leckeres. Später mache ich noch einen Abstecher zum Gedenkstein für im Park verstorbene Bergsteiger. Es ist ein trauriger und friedlicher Ort.

Hinter dem Campingplatz erheben sich die Eiswände von Mount Sefton.

Hinter dem Campingplatz erheben sich die Eiswände von Mount Sefton.

Hier wird verstorbener Bergsteiger gedacht.

Hier wird verstorbener Bergsteiger gedacht.

09.01. Auf den Fahr- folgt der Wandertag. Bei eher trübem Wetter wandern wir über den Sealy Tarns Track bergwärts. Knapp 2000 Stufen sind zu bewältigen auf dem Weg zu den Sealy Tarns, kleinen Lacken mit schöner Aussicht auf die umliegenden Gletscher. Wir machen dort mit einigen anderen Wanderern zusammen kurz Pause, essen etwas und bewundern den Kea, der auf der Suche nach Essensresten den Tisch umpirscht.

Wir gehen los.

Wir gehen los.

Aufmunternde Treppeninformation

Aufmunternde Treppeninformation

Aoraki verhüllt sich.

Aoraki verhüllt sich.

Dafür zeigen sich andere Schönheiten.

Dafür zeigen sich andere Schönheiten.

Anschließend geht es stufenlos weiter. Es sind noch einmal 600Hm bis zur Mueller Hut, unserem heutigen Tagesziel. Bei ca. 1700m erreichen wir den Kamm und haben nun eine herrliche Aussicht auf die eisbewehrte Südwand von Mount Sefton direkt gegenüber sowie auf den dreieckigen Vorgipfel von Aoraki etwas weiter weg. Leider bekommen wir den Gipfel von Neuseelands höchstem Berg nie zu Gesicht.

Die Searly Tarns sind perfekt für eine Pause.

Die Searly Tarns sind perfekt für eine Pause.

Dieser Kea war nicht kamerascheu.

Dieser Kea war nicht kamerascheu.

Wir haben schon einiges an Höhe geschafft.

Wir haben schon einiges an Höhe geschafft.

Die Mueller Hut liegt direkt unterhalb von Mount Ollivier.

Die Mueller Hut liegt direkt unterhalb von Mount Ollivier.

Nach gut vier Stunden erreichen wir die Hütte und laden unsere Übernachtungssachen ab. Die Hütte ist bewartet, aber nicht bewirtschaftet. Essen muss man selbst mitbringen und zubereiten. Nach einer Pause brechen wir noch einmal auf, um den Hüttenberg zu besteigen. Dieser bietet anregende Kraxelei (selten bis II) in festem Urgestein. Nie schwierig, immer hübsch. Kurz vor vier erreichen wir den 1933m hohen Gipfel von Mount Ollivier, der eine schöne Aussicht bietet. Leider ist heute alles wolkenverhangen. Gerne würde ich noch den Gratübergang zum Mount Kitchener erkunden, aber es fängt an zu regnen und so treten wir den Rückzug an und kehren über eine andere Route zur Hütte zurück.

Aoraki im Zoom.

Aoraki im Zoom.

Mount Ollivier bietet eine schöne Aussicht.

Mount Ollivier bietet eine schöne Aussicht.

Leider konnte ich den Gratübergang zum Mount Kitchener nicht mehr erkunden.

Leider konnte ich den Gratübergang zum Mount Kitchener nicht mehr erkunden.

Der Regen war gekommen um zu bleiben. Bis zum unserem Abflug vier Tage später sollte er nie mehr ganz aufhören. Jetzt nutzen wir das schlechte Wetter draußen erst mal zum Essen kochen in der Hütte und zum Karten spielen und quatschen mit einer sehr netten Gruppe Neuseeländer.

Mount Sefton, der alte Rüpel,...

Mount Sefton, der alte Rüpel,…

...schmiss immer wieder mit Eis.

…schmiss immer wieder mit Eis.

10.01. Trotz neuseeländischem Fernsehstar im selben Schlafraum, war die Nacht nicht so dolle. Zu viele Schnarcher hatten nachts ein Konzert „like Aliens talking to each other“, wie ein Amerikaner bemerkte, veranstaltet. Der künstlerische Wert mag beachtlich gewesen sein, Claudia und ich empfanden das Ganze aber vor allem als Ruhestörung.

So setzen wir uns etwas unausgeschlafen zum Frühstück. Anschließend packen wir zusammen und brechen auch schon bald auf. Durch beständigen Regen steigen wir ab. Wirklich schade, dass das Wetter nicht besser ist, sonst wäre die Aussicht sicherlich toll. Nach zwei Stunden erreichen wir unser Auto und freuen uns sehr über die Möglichkeit, an Board zu duschen, bevor wir uns trockene Sachen anziehen und uns für die Weiterfahrt rüsten.

Nächster Stopp nach ganzen 2km ist das Edmund Hillary Alpine Center, in dem wir einiges über die Geschichte des neuseeländischen Alpinismus, den Tourismus am Aoraki und natürlich über das Leben des Namensgebers lernen. Wenn man draußen nicht viel unternehmen kann, lohnt sicher dieser Stopp.

Ein kurzer Lichtblick im Grau

Ein kurzer Lichtblick im Grau

Anschließend fahren wir dann wirklich weiter und verlassen die Südlichen Alpen. Am verregneten Tekapo vorbei geht es bis in den kleinen Ort Geraldine, wo wir die nächste Nacht verbringen.

11.-12.01. Von Geraldine ist es nicht mehr weit bis nach Christchurch. Da sich das Wetter kaum bessert, verbringen wir die nächsten anderthalb Tage mit Lesen, Kaffee trinken, einkaufen, ins Kino gehen. Immerhin fällt uns bei so viel Regen der Abschied vielleicht etwas leichter.

Am letzten Nachmittag verschenken wir unsere Gitarre an die Tochter von Diane und Martin aus Kateriteri. Sie freut sich über diese Ergänzung für ihre Kirchenmusikgruppe; uns zeigt es deutlich, dass unser wunderbarer Urlaub dem Ende entgegen geht. Abends gönnen wir uns noch ein etwas luxuriöses Abendessen in einem kleinen Restaurant, dann verbringen wir die letzte Nacht in unserem Campervan.

13.01. Nach vier Wochen Neuseeland heißt es heute Abschied nehmen. Bei nach wie vor trübem Wetter fahren wir raus zum Flughafen und geben den Camper zurück. Unser letztes Bargeld investieren wir in ein herzhaftes Frühstück, dann geht es durch die Sicherheitskontrolle. Es sind wieder alle extrem freundlich: Die Check-In-Aufseherin, die uns das beste Kiosk zum frühstücken empfiehlt, die Dame am Tresen von besagtem Kiosk, die übersieht, dass uns 70 ct fehlen und die Grenzbeamtin, die uns in die Expressschlange einweist (nicht, dass die andere viel länger gedauert hätte).

Ich mag eigentlich gar nicht ins Flugzeug steigen, aber es hilft ja nichts. Ich bin richtig traurig, als wir abheben und das Land unter uns in Wolken verschwindet. Fantastisch war es hier und vielleicht müssen wir doch noch einmal wiederkommen.