Roadtrip in Neuseeland vom 15.12.2017 bis 13.01.2018

Vier Wochen Roadtrip im Campervan rund um die Südinsel Neuseelands hatten wir vor; vier Wochen Strände, Fjorde, Berge, Seen, Regenwald und Steppe; vier Wochen erstaunliche Tiere und Pflanzen und wahnsinnig nette und hilfsbereite Einheimische. Eine Traumreise.

15.12. Nach knapp 30h Reisezeit treffen Claudia und ich vormittags am Flughafen in Christchurch ein. Dort wird penibel und sehr freundlich geprüft, ob wir Obst oder Fleisch dabei oder organischen Dreck an unseren Schuhen haben. So soll die Einschleppung fremder Arten verhindert werden. Fauna und Flora in Neuseeland sind ziemlich speziell und durch eingeführte Arten wurde bereits großer und wahrscheinlich irreversibler Schaden am sensiblen Ökosystem angerichtet (dazu mehr in diesem Artikel). Dementsprechend nehmen die Neuseeländer dieses Thema inzwischen sehr genau.

Nach erfolgreicher Einreise heißt es erstmal Campervan abholen, sich ein bisschen dabei fürchten, einen 7m langen Sprinter durch den Linksverkehr zu manövrieren, Campingplatz ansteuern, einkaufen und Kaffee trinken. Später fahren wir mit dem Bus noch ins Stadtzentrum, dass noch immer von den Folgen des Erdbebens von 2011 gezeichnet ist. Insgesamt erschütterten zwischen 2010 und 2013 über 4000 Erdbeben die Region Canterbury, in der er bis dahin relativ ruhig war. Schwere Erdbeben wurden eher in anderen Teilen des Landes erwartet.

So sieht hier die Weihnachtszeit aus.

So sieht hier die Weihnachtszeit aus.

In der Innenstadt gibt es nach wie vor viele Brachflächen. Nachdem es Jahre gedauert hat, die Trümmer der eingestürzten Gebäude zu beseitigen, ist auch das schon ein gewisser Fortschritt. Natürlich hat auch der Wiederaufbau bereits begonnen, er wird aber wohl noch einige Jahre in Anspruch nehmen. Die Stimmung in der Stadt scheint dabei eine Mischung aus Traumatisierung durch die unerwartete Zerstörung und gespannte Erwartung auf den Wiederaufbau zu sein.

Vom Jetlag zombifiziert suchen wir uns in dieser halbfertigen Stadt ein Pub für ein Bier und ein Abendessen, bevor wir völlig fertig ins Bett fallen.

16.12. Heute beginnt unser Roadtrip. Nachdem wir bei einem Pfandleiher noch eine günstige Gitarre gekauft haben, die uns auf der weiteren Reise noch viel Freude machen wird, verlassen wir gegen Mittag Christchurch in Richtung Norden. Wir fahren bei herrlichem Sommerwetter durch die Hügellandschaft Nord-Canterburys, in der viel Wein angebaut wird. Dabei sind wir noch etwas ungläubig, nun wirklich hier zu sein, am Ende der Welt. Der aussichtsreich über dem Highway gelegene Black Estate lädt zu einem Mittagessen und einem Glas Weißwein ein, dann geht es weiter.

Weinanbau nördlich von Christchurch

Weinanbau nördlich von Christchurch

Unser Ziel heute ist Kaikōura, ein Ort in freudiger Aufruhr: Im November 2016 wurde auch er von einem schweren Erdbeben heimgesucht, das insbesondere die Verkehrswege entlang der Küsten zerstörte. Die Straße nach Christchurch ist bereits seit einigen Monaten wieder offen, die Straße nach Norden hingegen erst seit gestern. Und damit kommen nun auch endlich wieder Touristen in den Ort – entsprechend freudig werden wir in den Geschäften im Ort empfangen. Auch einem durchfahrenden Güterzug winken einige Passanten begeistert zu. So schön kann es sein, wenn Normalität zurückkehrt.

Abends treffen wir einen einsamen Pinguin...

Abends treffen wir einen einsamen Pinguin…

...und eine müde Pelzrobbe.

…und eine müde Pelzrobbe.

Sonnenuntergang über der South Bay

Sonnenuntergang über der South Bay

17.12. Heute steht Whale Watching auf dem Programm. Direkt vor der Küste Kaikōuras befindet sich eine Tiefseeschlucht, die zusammen mit den flachen Küstengewässern für einen besonderen Nährstoffreichtum sorgt. Daher kommen hier regelmäßig Pottwale vorbei, die man auch beobachten kann. Mit einem Unterwassermikrofon ortet der Kapitän des Ausflugsbootes von Whale Watch Kaikōura das tauchende Tier, dann warten wir, bis es auftaucht und durch den Dampf seines Atems sichtbar wird.

Die Kaikoura Range fällt recht abrupt in den Ozean ab.

Die Kaikōura Range fällt recht abrupt in den Ozean ab.

Da braut sich was zusammen.

Da braut sich was zusammen.

Und dann liegt er so da, der Pottwal, atmet, erholt sich und macht sich für den nächsten Tauchgang bereit. Eigentlich nicht spektakulär, aber durch die schiere Größe dieses Lebewesens irgendwie doch beeindruckend. Zum Abschied gibt es einen Gruß mit der Fluke, dann taucht er wieder ab in seine für uns so fremden Welt.

Der Pottwal macht Pause...

Der Pottwal macht Pause…

...und taucht wieder ab.

…und taucht wieder ab.

Neben dem Pottwal bekommen wir an Bord auch Albatrosse und Delphine zu Gesicht, die das Boot spielerisch umschwimmen. Dazu noch „Neill the Seal, living the dream.“ Ja, das Leben als Pelzrobbe scheint nicht so schlecht zu sein, zumindest seit diese Tiere unter Schutz stehen und nicht mehr zu Hunderttausenden zur Pelzgewinnung erlegt werden. Die sehr freundliche und engagierte Crew erklärt uns noch allerhand über das marine Ökosystem rund um Kaikōura, dann sind wieder zurück im Hafen.

Mehrere Albatrosse umfliegen das Boot zwecks "People Watching".

Mehrere Albatrosse umfliegen das Boot zwecks „People Watching“.

Auch Delphine lassen sich blicken.

Auch Delphine lassen sich blicken.

Die im Ort allgegenwärtige Möwenmafia versammelt sich.

Die im Ort allgegenwärtige Möwenmafia versammelt sich.

18.12. Ausnahmsweise ist das Wetter einmal etwas schlechter und es regnet bis mittags. Eine gute Gelegenheit zum Ausschlafen an unserem herrlich direkt am Strand gelegenen Campingplatz, Kaffee trinken und Shoppen. Später wandern wir dann noch an der Küste der Kaikōura-Halbinsel entlang, wo man nistende Rotschnabelmöwen und eine Pelzrobbenkolonie aus nächster Nähe sehen kann.

Die Felsklippen der Kaikoura-Halbinsel

Die Felsklippen der Kaikōura-Halbinsel

Bei den Möwen geht es ganz schön zu, es wird gekreischt und herumgeflogen, was das Zeug hält. Die Robben sind da deutlich entspannter und liegen vor allem auf den Felsen herum und schlafen. Ein bisschen raufen gehört hier allerdings schon auch dazu.

In der Möwenkolonie ist immer was los.

In der Möwenkolonie ist immer was los.

Zeit fürs Abendessen

Zeit fürs Abendessen

Bei den Pelzrobben geht es ruhiger zu.

Bei den Pelzrobben geht es ruhiger zu.

Da kann man sich auch mal ganz entspannt von einer Seite auf die andere drehen.

Da kann man sich auch mal ganz entspannt von einer Seite auf die andere drehen.

19.12. Heute müssen wir wieder etwas früher aufstehen, denn es steht wieder ein organisierter Ausflug an. Mit Dolphin Encounter fahren wir hinaus aufs heute glasig ebene Meer. Weiter draußen treffen wir auf einen Schwarm aus ca. 300 Schwarzdelphinen. Mit Neoprenanzug und Schnorchel begeben wir uns ins Wasser und schwimmen zwischen den Delphinen umher. Ein irres Erlebnis. Die Delphine schwimmen teilweise direkt unter uns hindurch. Die meisten nehmen kaum Notiz, einige sind interessiert, machen einen Schlenker, schauen kurz, wer da so unbeholfen durchs Wasser plantscht, und schwimmen dann weiter.

Camping-Leben: Essen,...

Camping-Leben: Essen,…

 

...Trinken,...

…Trinken,…

...Sterne gucken.

…Sterne gucken.

Ich hatte vorher Bedenken, dass dieses Delphinschwimmen die Tiere stören könnte, aber diese verfliegen bald. Sie sind uns an Beweglichkeit und Schnelligkeit derart überlegen, dass sie sich sofort entziehen können. Es ist in etwa, als würden Passanten auf der Straße von neugierigen Faultieren beobachtet. So können Claudia und ich es unbeschwert genießen, diese eleganten Tiere aus nächster Nähe in ihrem natürlichen Habitat zu beobachten.

Nach diesem ersten Höhepunkt unserer Reise verlassen wir mittags Kaikōura und fahren über die gerade wiedereröffnete Straße weiter nach Blenheim. Das Ausmaß der Bauarbeiten entlang der Straße ist enorm – es wird wohl noch dauern, bis sie wieder ganz intakt ist.

20.12. Blenheim ist der bevölkerungsreichste Ort der Region Marlborough. Er ist nach dem schwäbischen Blindheim benannt, wo der Duke of Marlborough gemeinsam mit Prinz Eugen 1704 einen bedeutenden Sieg über Franzosen und Bayern errang.

Die Kleinstadt am Wairau River ist außerdem Zentrum des Weinanbaus in der Region. Dementsprechend machen wir heute eine Tour über einige Weingüter. Colleen von Highlight Wine Tours fährt uns zusammen mit zwei Australiern aus Townsville über vier Weingüter, wo wir jeweils verschiedene Weine probieren und einiges über die Geschichte des Weinbaus in Marlborough erfahren. Wir haben es ziemlich lustig miteinander, so dass die Tour viel Spaß macht. Erst seit 1973 wird hier Wein angebaut – vor allem Souvignon Blanc, daneben aber auch andere weiße Rebsorten sowie Pinot Noir. Angesichts dieser kurzen Tradition haben sich die Winzer der Region bereits einen bemerkenswerten Ruf erarbeitet und exportieren erfolgreich nach Australien, in die USA und nach Europa.

Weinanbau im Wairau Valley

Weinanbau im Wairau Valley

Highlight Wine Tours bietet auch Rundfahrten in Oldtimern an.

Highlight Wine Tours bietet auch Rundfahrten in Oldtimern an.

Am nächsten Tag verlassen wir Blenheim und fahren weiter nach Norden. Mehr darüber gibt es im zweiten Teil.