Von Ende Januar bis Mitte Februar läuft in Bayern ein Volksbegehren zur Bewahrung der Artenvielfalt in Bayern. Insbesondere sollen durch größere Biotopverbünde und eine schonendere Landwirtschaft das dramatische Insektensterben aufgehalten werden. Eine sinnvolle Sache, für die ich hier Werbung machen möchte.

Zunächst zum Hintergrund der Aktion: 2017 wurde eine Studie veröffentlicht, nach der die Biomasse der Fluginsekten an verschiedenen Standorten in Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz und Brandenburg seit 1980 um rund 75% abgenommen hat. Das Bundesamt für Naturschutz bestätigt, dass dieser Trend für das gesamte Land gilt*.

Das Insektensterben bedroht die Artenvielfalt

Manche Insekten mögen im Sommer lästig sein, doch sind sie für die ökologische Vielfalt besonders wichtig. Nicht nur stellen sie einen Großteil der heimischen Arten, sie bilden außerdem Nahrungsgrundlage für viele andere Tiere wie Reptilien und vor allem Vögel. Außerdem sind sie als Bestäuber für die natürlich Fortpflanzung zahlreicher Pflanzenarten notwendig. Dies umfasst auch Nutzpflanzen wie z.B. Getreide oder Bodenfrüchte.

Ein Rückgang der Insekten bedroht damit die Artenvielfalt insgesamt. Und deswegen ist ihr Schutz besonders wichtig. Die Initiative hinter dem Volksbegehren strebt daher mehrere Änderungen im bayrischen Naturschutzgesetz an, die diesen Rückgang aufhalten sollen. Im einzelnen sollen Naturflächen ausgeweitet, der Flächenanteil biologischer Landwirtschaft deutlich erhöht und die Ausbildung von Landwirten angepasst werden. Schaut Euch am besten Online des Gesetzesentwurf an, um ein umfassendes Bild zu bekommen.

Per Volksbegehren zur Gesetzesänderung

Das Volksbegehren funktioniert nun folgendermaßen: Vom 31.01.-13.02.2019 können Wahlberechtigte in Bayern das Volksbegehren unterstützen, in dem sie es in einem Bürgerbüro in ihrer Nähe unterschreiben. Dafür wird es Sonderöffnungszeiten geben, erkundigt Euch also vor Ort (z.B. in München), wann und wo Ihr unterschreiben könnt! Wenn 10% der Wahlberechtigten in Bayern für den Entwurf stimmen, wird er dem Landtag zur Abstimmung vorgelegt. Lehnt der Landtag den Entwurf dann ab, kommt es innerhalb von drei Monaten zu einer Volksabstimmung.

10% aller Wahlberechtigen ist viel, aber kein Grund, den Kopf in den Sand zu stecken. Bei der Abschaffung der Studiengebühren 2013 und dem Rauchverbot in Gaststätten 2009 hat es auch geklappt. Warum also nicht auch dieses Mal?

Aus meiner Sicht sind die vorgeschlagenen Maßnahmen sinnvoll und auch ausgewogen. Ziel ist, Bedürfnisse der Landwirtschaft und der Natur in Bayern in Balance zu bringen. Das wird auf Dauer nicht gehen, ohne die europäischen Subventionsrichtlinien anzupassen. Die vorgeschlagenen Änderungen wären ein wichtiger und großer erster Schritt in diese Richtung und zudem ein starkes Signal auch über Bayern hinaus. Letztendlich geht es darum, ob wir Naturschutz dem Effizienzgewinn der industriellen Landwirtschaft unterordnen oder Naturräume und Artenvielfalt in Bayern erhalten möchten.

Daher mein Appell: Informiert Euch über die Initiative und dann stimmt Anfang Februar für die Artenvielfalt in Bayern!

 

*Die Übertragbarkeit dieser Ergebnisse auf den Rest Deutschlands wurde seither verschiedentlich angezweifelt. Meiner Meinung nach gibt es überzeugende Indizien dafür, dass der Trend für ganz Deutschland und Mitteleuropa gilt. Der BUND Regionalverband Südlicher Oberrhein hat zu dieser Diskussion eine recht informative Übersicht erstellt.

 

Quellen: BUND, NABU, Stadt München, Volksbegehren Artenvielfalt, Wikipedia