Bergtour in den Stubaier Alpen am 09.06.2019

Für letztes Wochenende hatte ich mir mit dem Zwölferkogel Nordgrat eine (derzeit) kombinierte Gratbegehung vorgenommen. Leider klappte es nicht ganz mit dem Gipfel, doch bekam ich genau das Abenteuer, nach dem ich gesucht hatte.

Der Zwölferkopf Nordgrat ist ein klassischer Gneisgrat im II. Grad im Sellrain. Noch ist er nicht ganz schneefrei, was die Sache interessant macht. Das wollte ich mir ansehen.

Zwölferkogel

Der Zwölferkogel thront über dem Skigebiet.

Kurz nach acht startete ich in Kühtai und spazierte zunächst die Straße hinauf zum Graf-Ferdinand-Haus. Es waren auch noch Andere unterwegs. Mehrere Skitourengeher und ein Schneeschuhgeher gingen die Piste hoch. Und dann ich zu Fuß, ab dem Grafenhaus ebenfalls auf der Piste.

Acherkogel

Mit dem Acherkogel grüßt ein alter Bekannter herüber.

Hochreichkopf

Und auch auf dem Hochreichkopf war ich schon.

Mit etwas unnötigen Schwierigkeiten (man wähle den flacheren Rücken für den Zustieg, nicht den steileren) erarbeitete ich mir schließlich den Kleinen Zwölferkogel (2611m) und ab hier war dann auch nichts mehr los. Der Nordgrat meines eigentlichen Zieles baute sich bereits beeindruckend vor mir auf. Da gab es schon einige Stellen, die herausfordernd aussahen. Ich war gespannt.

Speicher Finstertal

Am Speicher Finstertal herrscht noch Winter.

Blumen im Fels

Hier oben hingegen zeigen sich erste Frühlingsboten.

Zwölferkogel Nordgrat

Der Zwölferkogel Nordgrat baut sich vor mir auf.

Doch erstmal machte ich Frühstückspause. Danach ging ich es dann an. Der erste Abschnitt des Grates ist flach und noch nicht schwierig (I). Nur eine seltsam abdrängende Plattenstelle (II+) machte mir zu schaffen. Danach wurde es steiler und es wechselten sich kurze Schneefelder und Kraxelpassagen (bis II) ab.

Am Grat

Unterwegs am Grat

Gratturm

Der Große Turm zeigt sich.

Leider war der Firn schon komplett durchweicht, was nicht schön zu gehen war und große Vorsicht erforderte. Im oberen Abschnitt des Grates wurden die Schneeabschnitte dann länger und ausgesetzter. Hier war alles mal dabei: Auf oder direkt neben der Gratkante spazieren, gerade nach oben pickeln und zwei mal auch frontal seitwärts pickeln. Das volle Programm im Puddingfirn.

Nordgrat

Ein Stückerl is noch.

Schließlich kam ich zum letzten Grattum vor dem Gipfel. Laut Topo würde es hier im Abstieg noch mal eine II+ -Stelle geben, der Rest würde dann leicht sein. Tja, nur wie rauf kommen auf den Turm? Zunächst probierte ich es direkt. In steiler Kletterei (III+) erreichte ich eine sehr schmale Gratschneide. Und direkt vor mir einen unpassierbaren Zacken.

Umkehrstelle

Hier war dann Schluss.

Also kletterte ich wieder zurück. Alte Spuren führten nach rechts durch eine steile Firnrinne zu einem Band. Da würde es wohl weitergehen. Also probierte ich es da. Und setzte die Steigeisen in spröde-bröseliges Eis unter einer dünnen, aufgeweichten Firnauflage. Ok, so nicht. Zumindest nicht ohne Seil, dazu war das hier zu steil. Also schweren Herzens zurück. Tja, nah dran am Gipfel und doch vorbei!

Abklettern

Da muss ich jetzt wieder zurück.

Querung

Und da wäre die Querung gewesen.

Den ganzen Krempel wieder absteigen zu müssen, war auch keine berauschende Aussicht. Aber es ging nicht anders. Der Abstieg wurde dann ein sehr langwieriges Unterfangen. Gerade in den Schneepassagen bewegte ich mich oft im Schneckentempo um jegliche talwärtige Belastung der Tritte zu vermeiden. Sonst hätten sich diese nämlich gleich verabschiedet. Aber auch im Fels war ich langsam; da merkte ich, dass die Saison gerade erst angefangen hat.

Irgendwann kurz vor sechs war ich wieder an meinem Frühstücksplatz. Sehr erleichtert, die Schwierigkeiten hinter mir zu haben. Echt schade, dass ich so knapp unter dem Gipfel hatte umdrehen müssen! Gleichzeitig war ich zufrieden, immerhin alles konzentriert und sicher hoch- und wieder abgeklettert zu sein.

Zwölferkogel Nordgrat

Blick zurück zum Zwölferkogel Nordgrat.

Ich machte noch mal Pause, setzte mich ins Gras. Dann ging ich den Abstieg an. Einen kleinen Abstecher zur Mute (2398m) gönnte ich mir noch, dann stapfte ich die Skipiste hinab zum Parkplatz. Ein langer, spannender Bergtag ging hier zu Ende.