Ostern am Cevedale

Skitouren in den Ortler-Alpen vom 19.-22.04.2019

Nach 2012 und 2016 war ich dieses Jahr zu dritten Mal über Ostern auf Skitourenausflug. Und dieses Mal zu meiner großen Freude zusammen mit Claudia.  Wie schon bei den letzten Malen waren uns Wetter und Bedingungen hold. So wurden es vier herrliche Tage mit dem Cevedale als Höhepunkt.

Karfreitag

Wir hatten uns dieses Mal die Ortler-Alpen als Revier ausgesucht, versprachen diese doch eine gute Kombination aus schönen Touren und gutem Essen. Nach Anfahrt aus München begannen wir erst nachmittags den Aufstieg zur Marteller Hütte (2610m). Warm und sonnig war es – ein gutes Omen für das lange Wochenende. Mit etwas über 500Hm ist der Hüttenaufstieg eigentlich nicht weit, dafür zieht sich die Strecke zwischendurch etwas. Schön ist er allemal zwischen all den hübschen und im Frühjahr weißen Gipfeln des Martelltals.

Das sieht doch vielversprechend aus!

Das sieht doch vielversprechend aus!

Ein wenig Strecke muss bis zur Hütte bewältigt werden.

Ein wenig Strecke muss bis zur Hütte bewältigt werden.

Oben angekommen konnten wir unsere beiden Lager im gemütlichen Fünf-Bett-Zimmer beziehen und uns aufs Abendessen freuen. Letzteres wurde der Vorfreude dann auch voll gerecht – eine Konstante während unseres Aufenthalts.

Der Hüttenhang ist recht steil,...

Der Hüttenhang ist recht steil,…

..., die Marteller Hütte dafür sehr einladend.

…, die Marteller Hütte dafür sehr einladend.

Karsamstag

Früh standen wir am nächsten Morgen auf und saßen gegen halb sieben am Frühstückstisch. Als erste Tour hatten wir uns heute etwas nicht allzu langes vorgenommen. Die Veneziaspitze sollte es sein. Zwei Andere von der Hütte waren dort am Freitag gewesen und hatten von einem unschwierigen, lohnenden Aufstieg berichtet.

Bestes Wetter erwartet uns am Samstag. (Hier im Bild die Zufallspitzen)

Bestes Wetter erwartet uns am Samstag. (Hier im Bild die Zufallspitzen)

Eine Stunde später ging es dann los und wir folgten der deutlichen Spur und zwei anderen Skitourengängern südwestwärts richtung Hohenferner. Bis unser Aufstieg auf Süd und dann Ost drehte, konnten wir die Karawanen beobachten, die auf dem Weg zu Cevedale und Zufallspitzen waren. Hui, da war was los!

Die Morgensonne erreicht die Marteller Hütte...

Die Morgensonne erreicht die Marteller Hütte…

...und scheint uns wenig später über den Veneziaspitzen entgegen.

…und scheint uns wenig später über den Veneziaspitzen entgegen.

Nach ein wenig Harschkratzen an einem kurzen, steilen Hang erreichten wir schließlich die weiten Hänge des Ferners und damit auch die Sonne. Letztere war sehr willkommen, denn es war kühl an diesem Morgen. An einem schönen, sonnigen Platzerl machten wir kurz Pause, während hinter uns noch mehr Gruppen den Ferner erreichten. Die meisten von diesen gingen zur Köllkuppe, so dass es bei uns ruhig blieb.

Am Sattel wenden wir uns der Köllkuppe zu.

Am Sattel wenden wir uns der Köllkuppe zu.

Dann stapfen wir noch ein paar Meter bis zu einem Buckel, der als Tagesgipfel herhalten muss.

Dann stapfen wir noch ein paar Meter bis zu einem Buckel, der als Tagesgipfel herhalten muss.

Ein steiler Schlussanstieg führte uns schließlich in zahlreichen Spitzkehren zum Sattel zwischen Veneziaspitze und dem langen Rücken der Köllkuppe. Eigentlich erwarteten wir, von hier einfach zum Gipfel der Veneziaspitze aufsteigen zu können, doch es wurde schnell klar, dass der Grat hinauf kaum wintertauglich ist. Also begnügten wir uns mit der ersten Kuppe der Köllspitze (ca. 3320m).

Das wäre sie gewesen, die Veneziaspitze.

Das wäre sie gewesen, die Veneziaspitze.

Die Abfahrt wurde dann genial. Die ersten Schwünge hielten noch sehr ungleichmäßige Schneeverhältnisse in sehr steilem Gelände bereit, dann folgte ein Pulvertraum den Hohenferner hinab. Die Querung zurück zur Hütte war dann auch kein Problem und schon bald saßen wir bei Spiegelei und Weißbier und konnten uns den Rest des Tages ausruhen.

Das macht Spaß.

Das macht Spaß.

Ostersonntag

Heute stand die Überschreitung des Monte Cevedale an. Schon kurz nach halb sieben stand wir auf den Ski und gingen den langen Aufstieg über den flachen Zufallferner an. Wir ließen uns Zeit und teilten die Kräfte ein. Und dank des frühen Aufbruchs hatten wir auch keinen Stress.

Die Königspitze erglüht in der Morgensonne.

Die Königspitze erglüht in der Morgensonne.

Auch die Ötztaler bekommen schon Sonne ab.

Auch die Ötztaler bekommen schon Sonne ab.

Die Nacht war klar gewesen, doch morgens hielt sich eine hochgelegene Wolkenschicht noch recht beharrlich. Uns war es recht, denn so wurde es nicht zu früh heiß und der Schnee nicht zu früh faul.

Los geht's!

Los geht’s!

Im oberen Teil des Ferners machte ich einen kleinen Abstecher zu den Tre Cannoni (3276m), die den Österreichern im ersten Weltkrieg dazu gedient hatten, die italienischen Stellungen am Ortlerpass zu beschießen. Heute bietet dieser Ort eine friedliche und wunderschöne Rundumsicht. Die prominentesten Gipfel sind natürlich die des Suldener Dreigestirns und ganz besonders der der Königspitze, deren berühmte Ostflanke hier direkt vor einem steht. Auch dort war heute einiges los und später flogen sogar zwei Bergfreunde per Gleitschirm aus der Flanke.

So viel Platz für schöne Skitouren!

So viel Platz für schöne Skitouren!

Es sind noch Andere unterwegs.

Es sind noch Andere unterwegs.

Am Gipfel der Tre Cannoni fällt der Blick auf Königspitze, Zebru und Ortler.

Am Gipfel der Tre Cannoni fällt der Blick auf Königspitze, Zebru und Ortler.

An der Königspitze ist einiges los.

An der Königspitze ist einiges los.

In einem etwas steileren Abschnitt des Gletschers holte ich Claudia wieder ein. Kurz darauf erreichten wir das obere Gletscherbecken und machten vor dem Gipfelaufstieg noch einmal kurz Pause. Es war auch heute einiges los hier oben, aber doch weniger als am Tag zuvor. Schön!

Zufallspitzen und Cevedale warten auf unseren Besuch.

Zufallspitzen und Cevedale warten auf unseren Besuch.

Wird er einfahren?

Wird er einfahren?

Am Gipfelhang herrscht leichtes Gewusel.

Am Gipfelhang herrscht leichtes Gewusel.

Die Gipfelflanke ist dann noch mal richtig steil. Dank hervorragender Verhältnisse konnten wir sie komplett auf Ski (und mit Harscheisen) gehen, was wahrscheinlich eher die Ausnahme ist. Nur mit der Höhe hatten wir zu kämpfen, als wir schließlich den Gipfelgrat erreichten. An einem kleinen Sattel ließen wir die Ski zurück und stiegen zu Fuß zum Gipfel des Cevedale mit seiner seltsamen kleinen Hütte.

Die letzten Meter zum Gipfel sind flach.

Die letzten Meter zum Gipfel sind flach.

Wir haben es geschafft.

Wir haben es geschafft.

Die Aussicht hier oben auf 3769m war herrlich. Brenta, Adamello, Dolomiten, Ötztaler Alpen, Silvretta und Bernina ließen sich bestaunen. Dazu war ich mächtig stolz auf Claudia, die diesen für sie mit Abstand höchsten Gipfel so tapfer bezwungen hatte.

Wir stapfen zurück zu unseren Ski.

Wir stapfen zurück zu unseren Ski.

Zur Hinteren Zufallspitze ist es nicht weit.

Zur Hinteren Zufallspitze ist es nicht weit.

Nach ausgiebiger Gipfelrast rutschten wir auf den Fellen auf der SO-Seite den Grat entlang und stiegen ein Stück zur Hinteren Zufallspitze wieder auf. Das letzte Stück bewältigte ich allein und konnte mich bald über den zweiten hohen Gipfel (3757m) des Tages freuen.

Dort drüben waren wir gerade noch.

Dort drüben waren wir gerade noch.

Ein Gipfelfoto mit Cevedale im Hintergrund geht noch.

Ein Gipfelfoto mit Cevedale im Hintergrund geht noch.

Die Aussicht war gigantisch.

Die Aussicht war gigantisch.

Dann ging es an die Abfahrt. Kurz fuhren wir in der Südflanke und querten dann nach links zu den Felsen des Zufallspitz-Ostgrates. Hier war eine kurze enge Passage bereits von zahlreichen Skifahrern glatt gehobelt worden. Noch vor nicht allzu länger Zeit hätte ich mir wahrscheinlich beim Blick dort hinunter in die Hosen gemacht, doch in diesem Winter habe ich Übung und weiß, dass ich so was sicher fahren kann. Und Claudia sowieso.

Wir beginnen die Abfahrt.

Wir beginnen die Abfahrt.

Diese Durchfahrt war die Schlüsselstelle.

Diese Durchfahrt war die Schlüsselstelle.

Nach dieser Durchfahrt kamen wir auf den Fürkeleferner, wo uns feinster Burchharsch erwartete. Nun ja, es kann nicht alles klappen. Und nachdem wir das hinter uns gebracht hatten, gab es auch noch einige nette Firnpassagen. Zum Abschluss dann eine lange Querung zurück zur Hütte und wir hatten es geschafft. Einfach super!

Schön war's dort oben.

Schön war’s dort oben.

Ostermontag

Für den Nachmittag  war schlechteres Wetter angesagt, also wollte ich den Vormittag noch einmal nutzen. Claudia hatte nach dem Vortag genug und wollte nur noch zum Parkplatz abfahren. So machte ich mich nach dem Frühstück allein auf.

Heute ist das Wetter nicht mehr ungetrübt.

Heute ist das Wetter nicht mehr ungetrübt.

Zunächst fuhr ich den sehr ruppigen Hüttenhang ins Tal der Plima ab. Ordentlich durchgerüttelt und damit spätestens jetzt auch wach fellte ich unten auf und machte mich auf den Weg durchs Butzental zur Madritschspitze. Zunächst war weit und breit niemand zu sehen außer gelegentlich eine Gruppe Schneeschuhgeher, die vor mir aufgebrochen waren und einen etwas anderen Weg zum selben Ziel gewählt hatten.

Madritschspitze voraus!

Madritschspitze voraus!

Eine Stunde später tauchten dann alle möglichen Gruppen hinter mir auf, die teilweise in erstaunlicher Geschwindigkeit der Madritschspitze zustrebten. Ein besonders rasanter Speedgeher überholte mich am Fuß des Gipfelhanges, später lieferte ich mir ein kleines, freundschaftliches Rennen mit den Schneeschuhgehern, dass ich im Foto-Finish für mich entscheiden konnte. Hah, Tageszweiter am Gipfel!

Der letzte Ostergipfel ist erreicht.

Der letzte Ostergipfel ist erreicht.

Die Aussicht hier oben war auch nicht zu verachten und eigentlich war der Gipfel ein herrliches Rastplatzerl, nur wurde es bald ein wenig voll. Also bereitete ich mich auf die Abfahrt vor, zumal ich Claudia am Parkplatz auch nicht warten lassen wollte.

Zufallspitzen und Cevedale grüßen noch einmal hinüber.

Zufallspitzen und Cevedale grüßen noch einmal hinüber.

Auch die Veneziaspitzen gefallen. Und links wartet das Madritschtal auf mich.

Auch die Veneziaspitzen gefallen. Und links wartet das Madritschtal auf mich.

Etwa 200 Hm fuhr ich den noch ruppigen Südhang ab, dann querte ich in die Ostflanke, die gerade perfekt aufgefirnt hatte. Durch herrliches Skigelände ging es hinab ins Madritschtal. Das hatte ich ja mal super erwischt! Im Tal blieb ich dann auf der Südseite, umfuhr die kleine Lacke und dann an der Zufallhütte vorbei ins Tal. Der Rest war dann Wegerl-Rutschen bis zum Parkplatz. Insgesamt ein würdiger Abschluss dieses gelungenen Osterausflugs. Vollends abgerundet wurde dieser dann später durch eine ebenso große wie gute Pizza im Vinschgau.

2 Kommentare

  1. wow wow wow!! 🙂 jetzt bin ich ja richtig glücklich mit euch! ihr habt wunderschöne touren über ostern gemacht! und das alles bei gutem wetter! kompliment zur tourenwahl, zu den schönen bildern und zum herrlichen bericht.
    es freut mich, dass sich euch das martelltal von seiner besten seite gezeigt, so habt ihr eines meiner lieblingstäler nun auch endlich kennengelernt.
    ich habe es bedauert, dass wir keine zeit für eine gemeinsame tour gefunden haben. vielleicht klappt es ja beim nächsten mal. wäre schön.
    viele grüße
    magdalena

    • Hannes
      Hannes

      7. Mai 2019 at 11:44 am

      Hallo Magdalena,

      Vielen Dank! Das Martelltal hat sich tatsächlich von seiner allerbesten Seite gezeigt und wir hatten eine tolle Zeit dort.

      Für eine gemeinsame Tour finden sich bestimmt noch Gelegenheiten. Wir waren sicher nicht das letzte Mal in Südtirol. Und falls es Euch mal wieder über den Reschenpass verschlägt, sag gerne Bescheid.

      Schöne Grüße
      Hannes

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