Klettern in den Stubaier Alpen am 01.08.2020

Nachdem wir unseren Felslehrgang an der Franz Senn-Hütte abgeschlossen hatten, entschieden sich vier der Teilnehmer spontan dazu, auch am Abreisetag noch einmal gemeinsam klettern zu gehen. Der Ostpfeiler am Kreuzkamp-Gratturm war dabei unser Ziel.

Was tut man in einer Gruppe, wenn man gerade einen Lehrgang bestanden hat? Genau. Und dank optimierter Planung setzten wir kurz vor Hüttenruhe auch eine ausreichend große Bestellung ab, um anschließend noch eine Weile durchzuhalten. Dementsprechend hart war das Aufstehen, als schon kurz vor fünf der Wecker klingelte.

Müde trafen sich Christian, Denis, Matthias und ich zum Frühstück. Außer uns saßen noch ein paar Hochtourengeher hier, fürs Klettern hat man normalerweise ja nicht so viel Stress. Kurz nach halb sechs dann Abmarsch. Zügig wanderten wir den Weg zum Rinnensee hinauf. Und schon bald entschädigte uns ein herrlicher Sonnenaufgang für die kurze Nacht. Während wir der Sonne dabei zuschauten, wie sie hinter dem Burgstall den Himmel in leuchtendes rot tauchte, waren wir uns einig: Jetzt und hier waren wir genau richtig.

An der Unteren Rinnengrube verließen wir den Wanderweg und querten zu unserer Klettertour hinüber, die auf den ersten markanten Turm im SO-Grat des Kreuzkamp führt. Schwachen Steigspuren folgend fanden wir schließlich den Einstieg in den Kreuzkamp Ostpfeiler (Beschreibung & Topo) an einem Klebehaken. Helm auf, Gurt an, Schlosserei sortieren und los ging es. Christian und Matthias als schwäbische Seilschaft vorneweg, dann Denis und ich als stammesübergreifende Ergänzung hinterher.

Die Kletterei war dann richtig gut: Fester, griffiger Fels, großzügige Absicherung, schöne Aussichten. In der ersten Seillänge erstürmte Denis einen steilen Pfeiler (IV/IV+), in der zweiten ging es für mich einen kurzen Aufschwung hinauf (IV-), bevor ich die Schrofen der dritten Seillänge gleich anhängte. Mit den Kletterschuhen über nasses Gras zu wandern, war dabei ein wenig unangenehm.

Also lieber wieder Fels: Seillänge vier bot eine steile Platte (V), die für uns die schwierigste Passage darstellte. Anschließend konnte ich eine weitere Länge direkt an der Kante klettern (V). Die sechste Länge (II) teilten wir aufgrund von Seilzug auf, so dass anschließend Denis Länge Nummer sieben vorsteigen durfte, eine gutgriffige weitere Platte (IV).

Nach einer Schrofenlänge am Grat (II) wartete dann die Schlüssellänge auf uns: Eine steile, glatte Verschneidung führte hinauf zur Pfeilerkante (V+/VI-). Denis gelang dieser Abschnitt erstaunlich schnell und auch ich hatte weniger Schwierigkeiten damit als mit der dritten Seillänge. Vielleicht auch, weil wir inzwischen warm geklettert waren.

Schließlich stieg ich noch die zehnte Länge am schmalen Grat (III) vor, bevor wir das Seil wegpackten und über den Blockgrat (II) zum P2796 wanderten, wo Christian und Matthias schon ein paar Minuten auf uns warteten. 2:40h hatten wir zu viert hier hoch gebraucht. Nicht so schlecht! Da hatten wir das in den Vortagen Gelernte doch gleich mal gut umgesetzt.

Nach einer kurzen Pause machten wir uns dann auch gleich an den Abstieg ins Blechergrübl. Sieben Abseilstellen sind hier eingerichtet, die erste unmittelbar am Gratkopf. Dank Matthias, der die Abseilpiste schon von einer der Ausbildungstouren her kannte, und einer Kombination aus Ablassen und Abseilen ging auch der Abstieg zügig von der Hang und schon nach einer Stunde standen wir zu viert im Blockgelände. Super, das war mal echt schnell gegangen.

Nun wanderten wir durchs Blechergrübl zurück zum Wanderweg und dann zur Hütte. Viertel vor zwölf saßen wir schon wieder auf der Terrasse und stießen auf diese gelungene inoffizielle Abschlusstour an. Dementsprechend zufrieden spazierten wir später zurück zum Parkplatz. Eine intensive Woche lag hinter uns – mit der heutigen Lernzielkontrolle als perfektem Abschluss.


Hannes

Hannes

Ursprünglich Flachländer bin ich als Jugendlicher zufällig zur Liebe zu den Bergen gekommen. Seitdem bin ich immer wieder im Gebirge und gelegentlich auch am Meer unterwegs. Da ich schon immer gern geschrieben habe, startete ich 2010 dieses Blog, um andere Reiselustige und Bergfreunde an meinen Erlebnissen teilhaben zu lassen.

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