Wanderung in den Brandenberger Alpen am 21.11.2020

Die klare Luft an schönen Herbst- und Wintertagen machen diese jedes Mal besonders. Und diesen konnte ich am Hochiss genießen, dem höchsten Gipfel des Rofan.

Kurz nach neun startete ich an der Talstation der Rofan-Seilbahn. Heute nur in den leichten Schuhen, denn es sah von hier nicht nach viel Schnee aus. Immerhin war ich noch so schlau, die Gamaschen einzupacken.

Zwei Mädels, die gleichzeitig losgingen, ließ ich bald hinter mir, später traf ich noch einen einzelnen Bergfreund mit zwei Hunden, den ich auch überholte.

Ab ca. 1400m lag dann Schnee. Nicht viel zum Glück, nur wenige cm. Und während ich durch den Schnee weiter aufstieg, wurde die Aussicht immer besser. Bald lagen die letzten Wolken, die sich zwischen Achensee und Inntal noch gehalten hatten, unter mir. Gegenüber erhoben sich nun die Höhen von Karwendel und Vorkarwendel.

Nach knapp anderthalb Stunden erreiche ich die Bergstation und nun wurde es schnell mühsamer, denn die Schneeauflage nahm merklich zu. Ab dem Sattel östlich des Gschöllkopfes war dann richtige Spurarbeit durch den noch jungfräulichen Neuschnee angesagt. Genau richtig, um mal wieder mein geheimes Wühlmeistertum auszuleben!

Um ein Kar herum spurte ich nach Norden bis in den Sattel zwischen Hochiss und Spieljoch. Dabei bekam ich auch ein Scheehuhn und ein kleines Rudel Gämsen zu Gesicht. Alle ließen sie sich nicht durch mich stören.

Ab dem Sattel ging es nun westwärts unter dem Gipfelaufbau des Hochiss entlang und danach in einem Bogen zum Gipfel. Hier lag der Schnee teilweise knietief, dann wieder nur in dünner Auflage auf Steinen und Grasbüscheln. Es war also Vorsicht angesagt.

Schließlich, nach genau drei Stunden erreichte ich den höchsten Punkt des Rofan (2299m). Die Aussicht war gigantisch. Die Tauern lagen ausgebreitet vor mir Glockner und Venediger als markanteste Erhebungen. Dann die Zillertaler mit dem Olperer. Gegenüber das Karwendel mit Hochnissl und Sonnjoch, dahinter auch Risser Falk, Kaltwasserkar- und Birkkarspitze. Gegen Norden dann Juifen, Guffert und – weiter entfernt – Benediktenwand. Ein Fest!

Ich genoss die klare Luft, die Ruhe und den wunderbaren Blick, setzte mich auf einen Stein und widmete mich der Brotzeit. Nach etwa einer halben Stunde trafen dann meine Verfolger ein, zuerst der Mann mit den Hunden, dann die beiden Mädels vom Parkplatz. Lustig – am Berg war heute eigentlich nix los, aber alle Besucher des Tages gleichzeitig oben.

Von den beiden Bergfreundinnen inspiriert erkundete ich noch den Weg hinüber zum Streichkopf. Den hatte ich gar nicht auf dem Schirm gehabt, aber eine Runde zu gehen gefällt mir eigentlich immer besser als den selben Weg wieder zurück. Der Abstieg durch eine versicherte Rinne bescherte mir hüfttiefe Wühlerei, ansonsten war das Gelände sehr ähnlich wie bis zum Hochiss.

Am Streichkopf war deutlich mehr los und der Abstieg von hier auch schon großzügig gespurt. Ich hatte nichts dagegen, hatte ich doch meine Tagesdosis Wühlerei bereits bekommen. Recht entspannt ging es nun bergab, durchs Steinerne Tor (1976m) und weiter zur Dalfazalm (1692m), wo sich bereits eine ganze Reihe Bergfreunde am schönen Karwendelblick labte.

Hier packte ich die Gamaschen weg und machte mich an den weiteren Abstieg zurück nach Maurach. Auf der anderen Seeseite beschien die Sonne gerade einen dünnen Dunstschleier im Falzthurntal, während darüber die schneebedeckten Gipfel leuchteten. Und mit diesen wunderbaren Eindrücken beendete ich meine kleine Winterwanderung.


Hannes

Ursprünglich Flachländer bin ich als Jugendlicher zufällig zur Liebe zu den Bergen gekommen. Seitdem bin ich immer wieder im Gebirge und gelegentlich auch am Meer unterwegs. Da ich schon immer gern geschrieben habe, startete ich 2010 dieses Blog, um andere Reiselustige und Bergfreunde an meinen Erlebnissen teilhaben zu lassen.

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