Wieder nicht auf die Wildspitze

Hochtour in den Ötztaler Alpen vom 21.-22.06. 2013

Vor drei Jahren hatte ich versucht, die Wildspitze solo über den Urkundgrat zu besteigen und hatte die Tour an der Scharte zwischen Urkund und Wildspitze abgebrochen. Schon länger wollte ich dort einen zweiten Versuch unternehmen und dieses Wochenende bot sich eine gute Gelegenheit dafür. Dieses Mal nahm ich Boris als Verstärkung mit, dafür waren die Verhältnisse schwieriger und das Endergebnis war das gleiche. Eine schöne, spannende Hochtour wurde es trotzdem.

Freitag abend kamen wir kurz vor halb acht in Vent (1889m) an, wo der übliche Anstieg zur Breslauer Hütte auf der Südseite der Wildspitze beginnt. Kurz nachdem wir das Auto abgestellt hatten, kamen noch zwei Jungs aus Niederösterreich an; ihr Ziel war die Martin-Busch-Hütte und dann am Samstag der Similaun. Wir wünschten uns gegenseitig gutes Gelingen und dann ging es los.

Boris und ich hatten Biwakausrüstung dabei, da wir ursprünglich geplant hatten, am Urkundkolm zu übernachten. Uns wurde aber schnell klar, dass wir wenig Lust hatten, das ganze Gepäck am nächsten Tag über den Grat zu schleppen, zumal dort auch leichte Kletterei angesagt ist. Stattdessen entschieden wir uns dafür, in der Nähe der Hütte (2844m) zu übernachten und dort tagsüber unsere Sachen abzustellen.

Während wir gegen zehn noch eine Portion Spaghetti verdrückten, berichtete der Hüttenwirt, die letzten Gratbegeher hätten gute Bedingungen vorgefunden, wenn auch noch reichlich Schnee, der Gipfelhang sei aber natürlich immer brüchig. Entsprechend groß war die Vorfreude, als wir kurz darauf unser Lager aufschlugen. Dort genossen wir einen weiten Blick übers Rofental, dessen Wolkendecke vom fast vollen Mond in geheimnisvolles Licht getaucht wurde. Ein schöner Ort für eine Nacht im Freien.

Wolkendecke im Mondlicht

Wolkendecke im Mondlicht

Sonnenaufgang - vorne das Wilde Mannle

Sonnenaufgang – vorne das Wilde Mannle

Am Urkundkolm; im Hintergrund die Wildspitze, rechts der Ötztaler Urkund

Am Urkundkolm; im Hintergrund die Wildspitze, rechts der Ötztaler Urkund

Am nächsten Morgen ging es früh raus aus den Schlafsäcken und viertel nach fünf brachen wir auf. Das erste Zwischenziel war der Urkundkolm (3140m), auf den ein markierter Weg führt. Ab hier folgten wir einer mehrere Tage alten Spur hinüber zum Anstieg zum Urkundgrat. Schon in der Früh trug der Harsch nicht überall, so dass wir immer wieder tief einbrachen. Die Kletterei im steilen Gratanstieg durch überwiegend festen Fels (meist I, Stellen II) abwechselnd mit kurzen Firnpassagen machte Spaß und war auch mit Steigeisen gut zu bewältigen. Allerdings waren wir langsam – ich merkte, wir mir hier schon die Puste ausging und Boris ging es genau so. In Topform waren wir heute anscheinend nicht.

Aufstieg durch leichtes Blockgelände,...

Aufstieg durch leichtes Blockgelände,…

... mal mäßig steilen Firn...

… mal mäßig steilen Firn…

... und mal steileren.

… und mal steileren.

Schließlich – nach drei(!) Stunden – erreichten wir den Urkundgrat, der uns abwechselnd über Fels und Firn, oft luftig und immer aussichtsreich nach Norden führte. Durch den teilweise sehr weichen Firn waren einige Stellen recht heikel, mit Konzentration war aber alles gut zu gehen. Seit meinem letzten Besuch hatte sich hier einiges verändert, der Gipfel hat ein Kreuz bekommen und der Grat Bohrhaken. Wir verzichteten allerdings darauf, hier zu sichern. Da ich die Schlüsselstelle (III) bereits kannte, kamen wir darüber zügig hinweg (allerdings ohne Steigeisen) und erreichten kurz darauf den Gipfel des Ötztaler Urkund (3556m).

Am Urkundgrat

Am Urkundgrat

Hinter dem bewältigten Gratabschnitt zieht es bereits zu

Hinter dem bewältigten Gratabschnitt zieht es bereits zu

Nach einer Pause stiegen wir über den Nordgrat in die Scharte zur Wildspitze ab. Bereits kurz nach Sonnenaufgang hatten sich in den Tälern die ersten Quellwolken gebildet und nun zogen sie über die Scharte hinauf. Das sich eintrübende Wetter sowie unsere Erschöpfung waren Grund genug, hier den Rückzug anzutreten und über den Rofenkarferner abzusteigen. Sehr ärgerlich, die Tour am selben Ort wir vor drei Jahren abzubrechen, zumal der Gipfelhang heute nicht mit Steinen schmiss, aber auch dieses Mal war es die richtige Entscheidung. Und immerhin war der Grat im Frühjahrskleid noch einmal schöner und spannender zu gehen als beim ersten Mal.

Gipfelflanke der Wildspitze

Gipfelflanke der Wildspitze

Zurück an der Hütte stärkten wir uns mit einem Kaiserschmarrn (noch ein déjà vu) und wanderten zurück nach Vent. Dort trafen wir die beiden Niederösterreicher wieder, die ebenfalls unterhalb des Gipfels wegen Wetterverschlechterung und Erschöpfung umgedreht waren. Bei anspruchsvollen Touren gehört gelegentlicher Misserfolg eben dazu und irgendwann werde ich bestimmt einen dritten Versuch an der Wildspitze unternehmen. Ob ich dann wohl den Normalweg wähle…?

1 Kommentar

  1. Der Kaiserschmarrn auf der Breslauer Hütte muss ja wirklich sensationell sein!

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