Wanderung in den Ötztaler Alpen vom 04.-05.08.2013

Vor jeder Tour steht eine Idee – in diesem Fall Marks Idee, der Ende 2011 auf dem Gipfel des Gänsekragens zu mir meinte, die Geigenkammüberschreitung, das müsste doch was für mich sein. Recht hatte er und dieses Jahr bot sich die Gelegenheit, diese Idee in die Tat umzusetzen.

Nach meiner Tagestour am Acherkogel verbrachte ich die Nacht im sehr freundlichen und empfehlenswerten Gästehaus Köll in Roppen. Von dort ging es am Sonntag dann auch gleich los zur ersten Tagesetappe, dem Forchheimer Weg zur Erlanger Hütte.

Der Beginn des Forchheimer Weges ist wenig reizvoll: Eine Forststraße zieht sich aus dem Ort (724m) hinauf zur Maisalpe (1631m). Hin und wieder kann man am gegenüberliegenden Tschirgant den schon erreichten Höhengewinn abschätzen, ansonsten sieht man vor allem Bäume. Und da es an diesem Tag sehr heiß war, war ich zwar froh um den Schatten, der Schweiß rann mir trotzdem in Strömen übers Gesicht.

Nach etwas über 2h, gegen 10:00 Uhr erreichte ich die Maisalpe, machte hier aber keine Pause, sondern stieg gleich weiter. Ich hatte es etwas eilig, waren doch bereits für den frühen Nachmittag Gewitter angesagt und der Weg noch weit. Erst eine Dreiviertelstunde später, auf ca. 2000m machte ich eine vorgezogene Mittagspause. Ab hier wird der Weg, der bereits zuvor an Reiz gewonnen hat, dann auch richtig schön: Der Wanderer tritt aus dem Wald und wandert am Kamm bis zum Murmentenkarsattel.

Hier verlässt der Forchheimer Weg den Wald; im Hintergrund der Tschirgant

Hier verlässt der Forchheimer Weg den Wald; im Hintergrund der Tschirgant

Der weitere Wegverlauf am Kamm

Der weitere Wegverlauf am Kamm

Während dieses Abschnitts konnte ich im Nordwesten bereits Quellwolken sehen, die sicheres Gewitter verhießen. Es war nur eine Frage der Zeit. Zwanzig vor eins hatte ich den ersten Teil des Kamms hinter mich gebracht und erreichte das Forchheimer Biwak auf 2443m Höhe. Nach einer kurzen Pause überlegte ich, ob ich hier bleiben sollte oder weitergehen. Ich entschied mich für letzteres, da ich bestimmt noch 2h Zeit hätte bis zum Gewitter.

Rückblick mit Biwakschachtel

Rückblick mit Biwakschachtel

Eine halbe Stunde später erreichte ich nach einigem Auf und Ab den Murmentenkarsattel, während es im Inntal bereits donnerte. Mist, verschätzt! Schnell vom Sattel ins dahinter liegende Tal, Regenmontur anziehen und so zügig wie möglich weiter. Doch dieses Wettrennen konnte ich nur verlieren und gegen 14:00 Uhr hieß es Stöcke weglegen, hinsetzen, Kopf runter und abwarten, während es über mir blitzte und donnerte. Unheimlich war das schon, aber mehr konnte ich nicht tun.

Schlechtes Wetter zieht auf

Schlechtes Wetter zieht auf

...und auch wieder ab

…und auch wieder ab

Nach einer halben Stunde war der Spuk dann vorbei und ich konnte den Aufstieg zum letzten Sattel vor der Hütte fortsetzen. Oben waren dann die Wolken schon wieder abgezogen und die Sonne strahlte vom blauen Himmel. Als ich kurz vor vier die Erlanger Hütte auf 2550m erreichte, war die Kleidung schon fast wieder trocken und entspannt konnte ich nach über 2000 Hm Eingangsetappe bei einem Bier mit den anderen Gästen Gewittergeschichten austauschen. Abends malten die abziehenden Wolken einen wunderschönen Himmel über die Stubaier Alpen, bevor schließlich das Licht verging und auch ich mich in das „Dunkelkammer“ genannte Einzellager zurückzog.

Abendliches Wolkenschauspiel über den Stubaiern

Abendliches Wolkenschauspiel über den Stubaiern

Für den nächsten Tag war stabileres Wetter angesagt und so konnte ich es etwas ruhiger angehen lassen. Nach einem guten Frühstück auf der sehr freundlich geführten Hütte war mein erstes Ziel der Wildgrat, den man auf einem gut markierten Steig leicht (Stellen I) erreicht. Von hier wollte ich weiter über den Ludwigsburger Grat zum Lehnerjoch und von dort über die Feilerscharte zur Frischmannhütte wandern. Gegen 08:20 Uhr stand ich am 2971m hohen Gipfel und genoss die Aussicht auf Wetterstein, Lechtaler, Kanuergrat, zentralen Geigenkamm, Weißkamm und Sellrain.

Die Sonne geht auf

Die Sonne geht auf

Wettersee mit Erlanger Hütte

Wettersee mit Erlanger Hütte

Gipfelwegweiser am Wildgrat mit Wildspitze und Kaunergrat im Hintergrud

Gipfelwegweiser am Wildgrat mit Wildspitze und Kaunergrat im Hintergrud

Nach einer kurzen Pause wählte ich den Abstieg nach Westen (Stelle I an einem kurzen Wandl), bog auf einen markierten Steig nach Süden ab und kam schließlich zum Abzweig Richtung Riegespitze und Kreuzjöchlspitze. Es folgte einer der steilsten Erdaufstiege, die ich bisher auf einem markierten Steig erlebt habe. Zum Glück ist diese kraftraubende Passage nicht allzu lang.

Ein eisiger See zwischen Riege- und Kreuzjöchlspitze

Ein eisiger See zwischen Riege- und Kreuzjöchlspitze

Etwas weiter oben stieg ich zunächst weglos über deren Westgrat zur Riegespitze, bis mir Zweifel an meinem Tun kamen. Der weitere Anstieg sah nicht einfach aus und der Verbindungsgrat zur Kreuzjöchlspitze noch schwieriger. Als ich dann unter mir an einem kleinen See eine Markierung sah, beschloss ich, diesen Gipfel auszulassen und direkt zur Kreuzjöchlspitze weiterzugehen.

Der weitere Anstieg war dann einfach und führte mich an einigen friedlich grasenden Schafen vorbei. Ein Blick zurück zu einem Steilaufschwung im Südgrat der Riegespitze gab mir das Gefühl, die richtige Entscheidung getroffen zu haben: da wäre ich wohl kaum durchgekommen.

Von hier aus sieht der Ludwigsburger Grat ganz schön wild aus; links im Hintergrund der Fundusfeiler

Von hier aus sieht der Ludwigsburger Grat ganz schön wild aus; links im Hintergrund der Fundusfeiler

Gipfelsteinmann der Kreuzjöchlspitze

Gipfelsteinmann der Kreuzjöchlspitze

Kurz kraxelte ich zum Gipfelsteinmann der Kreuzjöchlspitze (2908m), dann gönnte ich mir eine Stärkung und ging gegen 10:30 Uhr den Ludwigsburger Grat an. Dieser wirkte aus der Ferne recht abwesend, doch zeigte sich bald, dass sich das Gelände meist gut auflöst und die wirklich kritischen Bereiche gut versichert sind. Trotzdem liegen einige Stellen noch im II. Grad, ohne Versicherungen ginge es bis III. Zu meiner großen Freude traf ich hier auf ein Rudel Steinböcke, das sich allerdings ungewöhnlich scheu zeigte und vor mir das Weite suchte.

Ein sehr talentierter Kraxler

Ein sehr talentierter Kraxler

Die Turnerei am herrlich griffigen, wenn auch nicht überall festen Fels machte trotz des schweren Rucksacks jede Menge Spaß und war nach anderthalb Stunden eigentlich viel zu früh vorbei. Pünktlich zur Mittagspause konnte ich es mir nun auf dem grasgipfeligen Schafhimmel (2820m) gemütlich machen. Ein bisschen essen, trinken, in den Himmel schauen, die Augen schließen.

Am Gipfel des Schafhimmel; links Riegespitze, rechts Wildgrat

Am Gipfel des Schafhimmel; links Riegespitze, rechts Wildgrat

Nach diesem erholsamen Zwischenstopp ging es abwärts zum Lehnerjoch (2510m) und über dieses hinweg nach Südosten. Im Anstieg zur Feilerscharte machten sich so langsam die vielen Höhenmeter dieses und des vergangenen Tages bemerkbar und es brauchte ein wenig Überwindung, noch zum Fundusfeiler aufzusteigen. Gegen drei Uhr erreichte ich den 3079m hohen Gipfel und genoss die schöne Aussicht; von hier aus ließ sich auch mein bisheriger Weg an diesem Tag gut erkennen. Da hatte ich doch eine ganz ordentliche Strecke geschafft!

Die letzten Meter hinauf zum Fundusfeiler

Die letzten Meter hinauf zum Fundusfeiler

Rückblick: etwas links der Bildmitte Wildgrat, links davon Riegespitze und in Draufsicht Ludwigsburger Grat mit Schafhimmel

Rückblick: etwas links der Bildmitte Wildgrat, links davon Riegespitze und in Draufsicht Ludwigsburger Grat mit Schafhimmel

Der Abstieg verlief dann unspektakulär, trotz einiger Versicherungen im südseitigen Abstieg von der Feilerscharte. Als ich dann gegen 16:30 Uhr die Frischmannhütte (2192m) erreichte, war ich reif für ein Bier, ein ordentliches Essen und viel Schlaf. Und all das fand ich dort glücklicherweise auch.

Am nächsten Tag setzte ich meinen Weg am Geigenkamm dann zur Hauerseehütte fort.