Bergtour im Karwendel am 20.09.2015

Auf Dauer kann man in Bayern die Spuren des bayrischen Lieblings- und Märchenkönigs Ludwig II. kaum vermeiden und in den bayrischen Bergen schon gar nicht. Nachdem wir vor zwei Jahren schon das berühmteste der von Ludwig errichteten Schlösser besucht hatten, ging es dieses Mal zu einem deutlich ruhigeren ehemals royalen Ausflugsziel – den Soiernseen im bayrischen Teil des Karwendels.

Meine Runde durch die Soierngruppe startete ich um neun in Krün (875m). Mit dem Radl begab ich mich auf die Forststraße zur Fischbachalm. Angenehm flach zieht diese zunächst dahin, nur im letzten Abschnitt steilt sie nochmals ordentlich auf. Mittlerweile hatte es leicht zu regnen begonnen, so dass ich in entschieden herbstlicher Stimmung die leider schon geschlossene Almhütte auf 1400m erreichte.

Dort hatte sich gerade eine größere Gruppe untergestellt, die neugierig beobachtete, wie ich mein Rad am Zaun anschloss. Haben die noch nie einen Bike&Hiker gesehen?

Am Beginn des Lakaiensteiges

Am Beginn des Lakaiensteiges

Weiter ging es für mich auf dem Lakaiensteig. Der heißt natürlich so, weil er für Wickerls Lakaien gebaut wurde: Während der König hoch zu Ross über die Forststraße erst wieder absteigend und dann durch das Fischbachtal zu seinem Jagdhaus gelangte, nahmen die Lakaien den Saumweg, der ihnen erlaubte, auch zu Fuß schneller anzukommen und ihrem Herrn somit schon bei dessen Ankunft wieder zu Diensten zu sein.

Die Soiernspitze zeigt sich durch die Wolken.

Die Soiernspitze zeigt sich durch die Wolken.

Für den modernen Wanderer bietet diese feudale Extravaganz den Vorteil eines kürzeren und dazu landschaftlich reizvollen Wanderweges. Leider konnte ich diese landschaftlichen Reize nur sehr eingeschränkt genießen, da sich dichte Wolken vor die umliegenden Berge geschoben hatten, aus denen es dazu noch beständig regnete. Ist es eigentlich ein Zeichen gesunder Hartnäckigkeit, dass ich so oft bei zweifelhaftem Wetter unterwegs bin, oder habe ich einfach einen Knall? Auf jeden Fall schlug mir das Wetter dieses Mal doch etwas auf die Stimmung.

Und auch das Soiernhaus ist schon in Sichtweite.

Und auch das Soiernhaus ist schon in Sichtweite.

Als ich kurz nach elf am Soiernhaus (1611m) – ehemals königliches Jagdhaus, jetzt bewirtete Hütte der DAV-Sektion Hochland – ankam, war von der angesagten Wetterbesserung nichts zu sehen. Also erst mal Pause machen und Kaffee trinken. Diese Entscheidung stellte sich als goldrichtig heraus. Der Regen legte in dieser Zeit noch mal so richtig los, dann ging ihm die Puste aus und die Wolken begannen sich zu heben.

Schön ist's am Soiernsee.

Schön ist’s am Soiernsee.

So konnte ich halb zwölf bei viel freundlicherer Stimmung meinen Weg fortsetzen. Zunächst stieg ich zum Oberen Soiernsee ab, an dessen baumbestandenem Ufer die frühere Lakaien- und Pferdeunterkunft mittlerweile als Diensthütte der Bergwacht dient. Von dort folgte ich dem Pfad hinauf zur Soiernspitze, dem höchsten Gipfel der Gruppe.

Rückblick von oben

Rückblick von oben

Auch am Schöttelkamm lockern jetzt die Wolken auf.

Auch am Schöttelkamm lockern jetzt die Wolken auf.

Hatte ich auf dem Radl noch das Gefühl gehabt, die zwei Wiesnmaß vom Vortag hätten meiner Kondition nicht gut getan, ging es jetzt plötzlich richtig gut. Auch das steile, lose Geröll im Kessel konnten mich kaum bremsen oder meine wieder erwachte Freude am Steigen dämpfen und so stand ich bereits gegen zehn vor eins am Gipfelkeuz (2257m). Nachdem es kurz zuvor noch einmal geregnet hatte, kam nun sogar die Sonne heraus und beschien auch den nahgelegenen Gipfel der Krapfenkarspitze. Herrlich!

Die Soiernspitze ist fast erreicht.

Die Soiernspitze ist fast erreicht.

Blick hinüber zur Schöttelkarspitze

Blick hinüber zur Schöttelkarspitze

Nach einer kurzen Mittagspause ging ich nun die Überschreitung zur Schöttelkarspitze an. Im Nebel machte ich die weglosen Abstecher zu Reißender Lahnspitze (2209m) und Soiernschneid (2174m), einige umgehbare IIer-Stellen genüsslich mitnehmend. Auch den kurzen Weg zum wenig markanten Feldernkopf (2071m) ließ ich mir nicht nehmen.

Wolkenstimmung am Kamm

Wolkenstimmung am Kamm

Kurz vor dem Feldernkreuz kamen mir dann sogar zwei andere Bergfreunde entgegen – ich war also doch nicht ganz allein unterwegs an diesem trüben Tag. Nachdem ich auch den Gipfel des Feldernkreuzes auf 2048m besucht hatte, ging es weiter zur Schöttelkarspitze. An deren markantem Gipfelaufbau tritt auch zu ersten Mal der karwendeltypische Hauptdolomit zu Tage, der viel zur allseits beliebten Brüchigkeit dieses Gebirges beiträgt. Da ich hier aber nicht klettern musste, sondern nur wandern, war mir das heute egal.

Der Gipfelaufbau der Schöttelkarspitze

Der Gipfelaufbau der Schöttelkarspitze

Halb drei konnte ich mich auf die Bank unterm Gipfelkreuz (2050m) setzen und sogar noch einmal etwas Aussicht genießen. Da hatte ich ja schon eine ganze ordentliche Runde hinter mir. Nach einer kurzen Pause stieg ich dann wieder ab und kehrte auf direktem Weg zur Fischbachalm zurück. Zwischendurch erwischte mich noch ein längerer Schauer,  dafür bekam ich einige Gämsen zu Gesicht.

Blick hinab in den Soiernkessel

Blick hinab in den Soiernkessel

An Fischbachalm wartete mein treues Radl schon geduldig auf mich. Schloss im Rucksack verpackt, Stöcke versorgt, Helm auf und – juhu – los geht’s in die erste Kurve. Vorderrad blockiert, Rad kippt nach vorne, Abflug. Etwas ungläubig liege ich im Kies, die Beine noch zwischen Rahmen und Lenker eingeklemmt. Erstens: Was war das denn? Und zweitens: Aua!

Nachdem ich mich aus meiner misslichen Lage befreit hatte, sah ich, dass der Vorderreifen platt war. Okay, das war eine Erklärung für den Sturz. Wie ich mir den Schlauch kaputt gemacht hatte, war mir zwar nicht klar, aber ich war froh, dass dieser wenigstens gleich in der ersten Kurve schlapp gemacht hatte. Weiter unten wäre ich deutlich schneller gewesen.

Zum Glück hatte ich einen Ersatzschlauch dabei, ich brauchte nur etwas, um den Mantel wieder aufziehen. Schließlich ging es dann weiter, zunächst etwas verhalten, als der Reifen hielt, dann wieder in normalem Tempo. Gegen sechs war ich schließlich zurück in Krün nach dieser langen, schönen Runde.