Skitour in den Zillertaler Alpen am 12.05.2018

Eine letzte Skitour sollte es noch sein in diesem Frühjahr. Da für Sonntag unbeständiges Wetter vorhergesagt war, sollte es etwas sein, was sich an einem Tag ausgeht. Während ich eher an die bekannten Tiroler Klassiker gedacht hatte, schlug Mark den Schrammacher im Tuxer Hauptkamm vor. Von dem hatte ich zu meiner Schande noch nie gehört, er stellte sich aber als sehr lohnendes Ziel heraus.

Die Besteigung des Schrammachers ist eine grenzüberschreitende Angelegenheit. Während der Berg vollständig in Nordtirol liegt, ist der bequemste Ausgangspunkt auf der Südtiroler Seite etwas unterhalb des Pfitscher Jochs. In Kehre Drei der überraschend schlechten Straße parken die Nordwandaspiranten für Hochferner, Hochfeiler und Co., in Kehre Vier dann die Skitourengeher, die Hohe Wand oder Schrammacher besteigen möchten.

Die umliegenden Gipfel erglühen in der Morgensonne.

Die umliegenden Gipfel erglühen in der Morgensonne.

Franzi, Mark und ich brachen nach einer eher kurzen Nacht gegen 06:15 Uhr hier auf 1806m auf. Ein Blick nach oben in die grünen Hänge ließ uns etwas an unserem Tun zweifeln. Es würde noch etwas dauern, bis wir zum Schnee kommen würden. Also galt es, erst einmal die Ski am Buckel zu transportieren.

Was genau tun wir hier eigentlich?

Was genau tun wir hier eigentlich?

Über den Weg zum Pfitscher Joch wanderten wir bergan, immer mal wieder mit den Ski in einem Baum hängen bleibend. Bislang fand ich die Leute immer ziemlich seltsam, die spät im Frühjahr ewig den Berg hinauf tragen, um irgendwo noch die letzte Firnrinne zwischen den Latschen abzufahren. Und jetzt waren wir hier und machten mehr oder weniger genau das. Erste Zweifel an der Sinnhaftigkeit dieser Tour kamen auf.

Und was sollen diese Bretter, die wir da am Rucksack haben?

Und was sollen diese Bretter, die wir da am Rucksack haben?

Immerhin, nach etwa 250 Hm konnten wir uns dann doch auf die Ski stellen. Schon gleich besser, auch weil der Rucksack nicht mehr so fies auf die Schultern drückte. Kurz darauf überholten uns zwei Einheimische, die sich nicht lange mit Kurven aufhielten, sondern sehr direkt den Berg hinauf sprinteten. Irgendwie waren die fitter als wir. Egal, ringsherum leuchteten die Gipfel im ersten Tageslicht und wir freuten uns der Tour.

Das sieht schon besser aus.

Das sieht schon besser aus.

Auch die Aussicht kann sich sehen lassen.

Auch die Aussicht kann sich sehen lassen.

Kurz vor dem Joch kamen wir in die Sonne und sofort wurde es warm. Es versprach, ein prächtiger Tag zu werden. Während wir mit dem Wetter also keine Probleme hatten, stellte sich eine andere Frage: Wo lang? Links auf einen aperen Rücken, hinunter zum Zamser Bach und im Talgrund weiter (dort gab es auch Abfahrtsspuren), oder über mäßig steile Hänge ins Tal hinein queren?

Es wurde ein herrlicher Morgen.

Es wurde ein herrlicher Morgen.

Aber wo genau geht es jetzt weiter?

Aber wo genau geht es jetzt weiter?

Letztendlich entschieden wir uns für die Querung, die logisch erschien, weil keine extra Höhenmeter anfallen würden, uns aber viel Zeit kostete. Der Rücken wäre wohl die bessere Wahl gewesen. Stattdessen balancierten wir mit geschulterten Ski  über mäßig feste Blockhalden und stapften durch kurze Schneefelder. Der Sinnlosigkeitsquotient nahm zu.

Lustiges Ski tragen über Blockhalden

Lustiges Ski tragen über Blockhalden

Endlich erreichten wir wieder eine geschlossene Schneedecke. Durch einen steilen Trichter stiegen wir auf zur eigentlichen Route. Ich legte hier zwar fleißig die Aufstiegsspur, allerdings versehentlich ohne Steighilfe. Mittlerweile schien ein mittlerer Platz auf meiner persönlichen Bergtouren-Sinnlosigkeitsskala gesichert. Was schon was heißen will, wie auch Mark bemerkte.

Der große Dicke da hinten ist unser Ziel.

Der große Dicke da hinten ist unser Ziel.

Die Hochferner-Nordwand schaut schon eindrucksvoll aus.

Die Hochferner-Nordwand schaut schon eindrucksvoll aus.

Nun ja, kurz darauf erreichten wir den Rücken der Großen Moräne und machten kurz Pause, um nach dem Steilstück zu verschnaufen und eine Kleinigkeit zu essen. Anschließend ging es flacher weiter bis zum Stampflkees, das wir dann noch mal flacher zum Schrammacher hin überquerten. Wir waren nicht böse über die geringe Steigung dieses Abschnitts, die uns Kraft sparen ließ. Hinauf zum Skidepot wurde es dann wieder steiler und anstrengender, zumal sich bei mir auch die Höhe mal wieder bemerkbar machte. Ungefähr hier kamen uns dann auch die beiden Einheimischen entgegen, die direkt vom Gipfel über ein steiles Couloir abfuhren. Wow, das muss man auch erst mal drauf haben.

Am Gletscher geht es zunächst recht flach dahin.

Am Gletscher geht es zunächst recht flach dahin.

Vom Skidepot weg hingegen wird es steil.

Vom Skidepot weg hingegen wird es steil.

Am Skidepot wechselten wir auf Steigeisen und stapften noch einige Meter zu Fuß zum Grat hinauf und dann waren es noch mal 250Hm. Abwechselnd ging es über ausgesetzte Firnfelder und plattige Felsstufen. Die Kraxelei war dabei anspruchsvoller als erwartet und mit I recht streng bewertet. Schließlich kamen wir zur Schlüsselstelle, einem steilen Felsaufschwung knapp unter dem Gipfel. Dieser ist mit II bewertet, was bei Fixseilbenutzung auf der rechten Seite auch ungefähr hinkommt. Links kann man den Spaß auch umgehen, was uns aber eher ungut erschien. Also hochhangeln. Danach ist es dann nicht mehr weit und grob gegen 13:00 Uhr standen wir dann endlich am 3410m hohen Gipfel des Schrammachers.

Wir steigen am Grat auf.

Wir steigen am Grat auf.

Die IIer-Stelle überwindet man idealerweise weiter rechts.

Die IIer-Stelle überwindet man idealerweise weiter rechts.

Aussicht gab es dank Quellwolken, die den Gipfel eingehüllt hatten, nicht mehr. Trotzdem war es ein tolles Gefühl, hier oben zu stehen. Für mich war es der bislang höchste Skigipfel und der höchste Alpengipfel überhaupt, den ich direkt aus dem Tal ohne Zwischenübernachtung bestiegen habe. Für Franzi und Mark war es die Skitour mit den meisten Höhenmetern außerhalb von Skigebieten. Und dann ist der Schrammacher natürlich auch ganz einfach ein sehr beeindruckender, toller Berg.

Am Gipfel angekommen ist die Sicht leider schon ziemlich eingeschränkt.

Am Gipfel angekommen ist die Sicht leider schon ziemlich eingeschränkt.

Nach einer Pause machten wir uns an den Abstieg. Vor diesem hatten wir einigen Respekt, das Abklettern erwies sich jedoch als deutlich leichter als erwartet. Nur einige Schneepassagen war mittlerweile aufgeweicht und dadurch etwas heikel. Aber mit genug Vorsicht waren auch diese gut zu bewältigen.

Der Grat ist stellenweise recht schmal...

Der Grat ist stellenweise recht schmal…

...und immer aussichtsreich.

…und immer aussichtsreich.

Und dann ging es auf die Ski. Obwohl wir spät dran waren, fuhr sich der erste Hang perfekt. Danach war der Firn schon etwas weich, ließ sich aber – auch dank der Wolken – auch noch recht gut fahren. Nach dem flachen Gletscher umfuhren wir die Große Moräne und kamen so recht schnell zu dem aperen Rücken, über den wir schon hätten aufsteigen sollen. Mit Ski am Rucksack machten wir uns an den Abstieg über selbigen und entdeckten, dass hier sogar ein Wanderweg entlang führte, was die ganze Sache natürlich noch einmal angenehmer machte. Hätten wir das mal früher gewusst!

Und ab geht's.

Und ab geht’s.

Lustiges Ski tragen auch im Abstieg.

Lustiges Ski tragen auch im Abstieg.

Unterhalb des Pfitscher Jochs konnten wir dann noch mal ein Stück abfahren, bevor der Bergtag dann endete, wie er begonnen hatte: Ski tragend mitten in der Botanik. Irgendwie sinnlos. Letztendlich war es aber wiederum eine perfekte Saisonabschlusstour: Eindrucksvoll genug für einen echten Höhepunkt und gleichzeitig so mühsam, dass ich es nicht gleich wiederholen möchte. Prima, denn eigentlich hatte ich mir genau so etwas vorgestellt.

Botanisches Finale

Botanisches Finale