Klettern im Karwendel am 16.09.2018

Endlich passte das Wetter für eine Klettertour. Stefan und ich wählten die Kreuzwand im Dammkar als Ziel und wurden dafür mit einem herrlichen Klettertag an der „Luftigen Kante“ belohnt.

Von unserem letzten Ausflug zur Dammkarhütte hatten wir gelernt, dass sich der Fußaufstieg etwas zieht. Daher hatten wir heute Räder dabei, mit denen wir den Forstweg von Mittenwald bis zur Talstation der Materialseilbahn zurücklegten. Das war zwar stellenweise ziemlich anstrengend, sparte aber bereits im Aufstieg Zeit.

Über Mittenwald hängen noch letzte Nebelreste.

Über Mittenwald hängen noch letzte Nebelreste.

Ab hier ging es zu Fuß weiter über bekannten Serpentinen zur Hütte und bei herrlichem Spätsommerwetter gleich weiter ins Vordere Dammkar.  Der Einstieg der „Luftigen Kante“ war dann schnell gefunden, zumal eine sich bereits in der Tour befindliche Seilschaft schon von weitem sichtbar war.

Das Untere Dammkar ist von einer beeindruckenden Felskulisse umgeben.

Das Untere Dammkar ist von einer beeindruckenden Felskulisse umgeben.

Dieser Kletterer befindet sich gerade in der Schlüsselstelle der Tour (V-).

Dieser Kletterer befindet sich gerade in der Schlüsselstelle der Tour (V-).

Hier legten wir das übliche Geraffel an und wechselten in die Kletterschuhe. Etwa zwanzig vor elf stieg ich dann als erster in die Tour ein. Für mich war es erst die zweite Kletterei in diesem Jahr und dementsprechend kletterte ich langsam und konzentriert. Erst mal wieder rein kommen, die Sicherheit in Händen, Füßen und vor allem im Kopf zurückgewinnen. Für all das war die leichte IIIer-Einstiegslänge genau richtig.

Stefan erreicht den ersten Zwischnstand.

Stefan erreicht den ersten Zwischnstand.

In der zweiten Seillänge geht es dann schon deutlich mehr zur Sache. Mit der ausgesetzten Rechts-Querung zu Beginn hatte Stefan keine Probleme, bei der plattigen Schlüsselstelle (V-) musste er sich dann etwas überwinden. Ich fand die Stelle auch im Nachstieg nicht ohne, denn Griffe gibt es da keine.

Es geht hinein in die zweite Seillänge.

Es geht hinein in die zweite Seillänge.

Das nächste Highlight war die vierte Länge, in der man zunächst nach links direkt auf die Kante quert und dieser dann in sehr schönem, ausgesetztem Gelände folgt (IV-). Anschließend hatte ich dann auch noch mal eine schwere Stelle im Vorstieg bei der Umgehung eines Aufschwungs: Über eine glatte Wand spreizte ich in eine Verschneidung, die unten trittlos ist und oben durch einen schräg hervorwachsenden Wulst begrenzt wird (IV+). Hier hatte ich etwas zu schnaufen, bis ich mich durchgearbeitet hatte. Anschließend ging es schräg aufwärts, in leichtem, ausgesetztem Gelände (III, IV-). Ich freute mich sehr darüber, so etwas wieder sicher vorsteigen zu können.

In der vierten Seillänge geht es direkt an die Kante.

In der vierten Seillänge geht es direkt an die Kante.

Eine herrliche Seillänge, die hier steiler ausschaut, als sie ist.

Eine herrliche Seillänge, die hier steiler ausschaut, als sie ist.

Seillänge fünf ist landschaftlich auch sehr schön.

Seillänge fünf ist landschaftlich auch sehr schön.

In der sechsten Länge wartet noch mal ein steiler, aber sehr gut gestufter Aufschwung (IV-), dann wird es leichter, bleibt aber luftig (sollte bei dem Namen der Tour ja auch so sein). Als alte Bergsteiger wählten wir nicht die Abseilerei ins Dammkar, sondern gingen weiter zum Gipfel der Kreuzwand. Eine letzte Schrofenlänge (bis III) führte ich noch am Seil, dann wanderten wir die restlichen Meter durch Steilgras zum höchsten Punkt (2132m). Herrlich war es, hier oben in der Sonne zu sitzen. Was für ein schöner Tag!

Stefan bezwingt den letzten Aufschwung der Tour.

Stefan bezwingt den letzten Aufschwung der Tour.

Über Grasschrofen geht es schließlich zum Gipfelgrat.

Über Grasschrofen geht es schließlich zum Gipfelgrat.

Der Abstieg von diesem hübschen Gipfel ist nicht schwierig, erfordert aber Konzentration und Vorsicht. Wir ließen uns Zeit, genossen später die Geröllabfart im Dammkar und saßen gegen fünf vor der Dammkarhütte. Zufrieden blickten wir in die eindrucksvolle Felskulisse des Dammkares und ließen uns ein Weißbier schmecken. Nach einer Stunde machten wir uns wieder auf den Weg. Dank der Fahhräder brauchten wir von der Hütte zurück nach Mittenwald nur 25min. Was für ein Unterschied zu der länglichen Wanderung im letzten Jahr!

Gipfelblick zur Viererspitze

Gipfelblick zur Viererspitze

Wir haben es geschafft.

Wir haben es geschafft.

Eine weitere Seilschaft ist am letzten Stand der Tour angekommen.

Eine weitere Seilschaft ist am letzten Stand der Tour angekommen.

Ein herrlicher Klettertag ging hier zu Ende, den wir einfach rundum genossen hatten. Über die weit weniger genüssliche 3,5h-Rückfahrt nach München hingegen breiten wir den Mantel des Schweigens…