Skitour im Karwendel am 21.02.2021

Manchmal muss man unterwegs spontan umplanen. Zum Beispiel, um den Skifahrspaß zu optimieren. Und so landet man auch schon mal auf dem Feldernkreuz statt auf der Schöttelkarspitze.

Jochen und ich starteten viertel vor acht in Krün, um zur Schöttelkarspitze zu gehen. Es waren noch einige Gruppen unterwegs, einige davon kannten wir sogar. Was — trotz Pandemie-konformer Abstände — zu netter Stimmung beim Aufstieg führte.

Zunächst war Ski tragen angesagt, bis der Forstweg richtung Fischbachalm eine ausreichende Schneeauflage hatte. So ging es entspannt dahin, bis am P1084 der Weg ins Schöttelkar abzweigte. Nun wurde es steiler und für mich Zeit, die Jacke auszuziehen. Endlich wieder T-shirt-Touren-Wetter!

Als wir in den glatt polierten Bachgraben kamen, zeigte sich vor uns schon die Schöttelkarspitze mit ihren Steilwänden. Dolomiten-Feeling hier im bayrischen Karwendel. Für mich war hier auch Zeit, die Harscheisen anzulegen.

Dann kamen wir ins eindrucksvolle Schöttelkar. Die überwächteten Haupt- und Nebengipfel des Seinskopfes machten von hier richtig was her. Auch wenn sie von der Südseite nur unspektakuläre Wanderberge sind. In dieser herrlichen Kulisse wandten wir uns der Rinne zu, die aus dem Kar hinauf zum Sattel zwischen Schöttelkarspitze und Feldernkreuz führt.

Auch hier war der Schnee bockhart und glatt gefahren. Die meisten Aspiranten legten hier nun ihre Harscheisen an, ich hatte das ja bereits erledigt. Der Aufstieg zwischen den Felsabstürzen links und rechts der Rinne steigerte dann das Landschaftserlebnis sogar noch. An einer Verflachung stiegen Jochen und ich von den Ski und gingen zu Fuß mit Steigeisen weiter, denn oben wurde es noch einmal steiler.

Dann erreichten wir das obere Ende der Rinne, traten aus dem Schatten in den Sonnenschein. Und blickten über perfekt aufgefirnte Hänge hinab in den Soiernkessel. Tja, was nun – links weiter zum Gipfel oder geradeaus abfahren? Beides würde sich wahrscheinlich nicht ausgehen.

Erst mal kurz Pause machen, die Sonne genießen und überlegen. Nach zwei Bissen und einem Schluck aus der Thermoskanne war die Sache dann klar: Abfahren. Denn die harte, steile Rinne wieder runter würde einfach keinen Spaß machen.

Also bauten wir um und ab ging es durch den Butterfirn in den Kessel. Gute Entscheidung! Wir waren uns zwar nicht ganz sicher, wie wir wieder zurück kommen würden, hatten aber doch eine ziemlich gute Vorstellung. Und auch einen Plan B in der Tasche, falls es nicht so aufgehen würde wie erhofft.

Wir stiegen nun wieder auf und erreichten nördlich des Feldernkopfes wieder den Kamm. Das war schon mal gut. Noch einmal setzten wir uns in die Sonne, genossen das herrliche Wetter und die schöne Bergwelt. Ein guter Tag, um draußen zu sein.

Um wieder ins Schöttelkar zu gelangen, mussten wir nun zunächst über das Feldernkreuz zum Kamm, der zum Seinskopf führt. Während ich das Auf und Ab zu Fuß anging, ließ sich Jochen eine kleine Zwischenabfahrt nicht nehmen. Dafür machte ich dann noch den kurzen Abstecher zum Gipfel des Feldernkreuz (2048m).

Kurz darauf stieg dann auch ich wieder auf die Bretter. Durch den weichen Firn ging es hinab zum Sattel am P1868. Hier wechselten wir zurück auf die Nordseite. Diese war noch immer komplett hart und nur mäßig griffig. Da hatten wir in der Rinne auf jeden Fall nix verpasst.

Der steile Wanderweg weiter unten war dann lästige Pflicht, bevor wir auf dem Forstweg entspannt ausrutschten. Eine super Tour war diese spontane Variante heute und die Fahrspaßoptimierung voll aufgegangen.


Hannes

Ursprünglich Flachländer bin ich als Jugendlicher zufällig zur Liebe zu den Bergen gekommen. Seitdem bin ich immer wieder im Gebirge und gelegentlich auch am Meer unterwegs. Da ich schon immer gern geschrieben habe, startete ich 2010 dieses Blog, um andere Reiselustige und Bergfreunde an meinen Erlebnissen teilhaben zu lassen.

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