Skitour im Karwendel am 26.03.2021

Die Skitour auf die Soiernspitze ist ein Klassiker. Die auf den Feldernkopf ebenso. Und der geneigte Pulverjäger kann auch beide verbinden zu einer ziemlich langen Runde durch die Soierngruppe.

Frühjahrszeit ist Firntourenzeit. Aber einmal wollte ich noch durch Pulverschnee abfahren. Und den vermutete ich zum Beispiel im Soiernkar. Dieses ist nur mit ewiger Hatscherei oder strammen Gegenanstiegen erreichbar. Ich entschied mich für Letzteres und nutze meinen freien Freitag ziemlich gut aus.

Aufbruch war 07:30 Uhr beim Parkplatz an der Seinsalm. Fast zu spät für diese Tour bei perfektem Wetter. Na ja, alle Anderen gingen auch gerade erst los. Unter Anderem eine Dreiergruppe mit teils rheinischen Wurzeln, die auch zur Soiernspitze wollte. Na, dann würde man sich ja später noch sehen.

Der Forstweg auf der Südseite der Soierngruppe zieht sich schon auch ziemlich. Nicht ganz so lang wie von Krün zur Fischbachalm, aber auch ein ordentlicher Hatsch. Ich überholte ein paar Gruppen und ab dem Abzweig zum Feldernkopf dünnte es sich dann eh aus. Leider hatte das Verkehrsleitsystem hier versagt: Ski- und Schneeschuhspuren gingen wild durcheinander, was für den Skitourengeher wohl nerviger ist als den Schneeschuhgeher. Ich werde mich beim Bergverkehrsamt in Mittenwald beschweren! Als ich nach 1:40h die Krinner-Kofler-Hütte (1395m) erreichte, war ich ganz allein. Schön hier, dachte ich mir. So schön, still und friedlich.

Einer alten Spur folgte ich die Schneise hinauf und durch den Wald zum Jöchel (1785m). Mittlerweile war es schon recht warm und der Firn wurde bereits weicher. Aber noch alles im grünen Bereich, also weiter. Am Jöchel überholte mich ein anderer Alleingänger. Zügig und scheinbar mühelos stieg er bergwärts, während ich die teilweise unanständig steile Spur hinauf keuchte. Ich werde mich beim Bergverkehrsamt beschwe… Ach ne, Moment, ich hätte ja auch einfach eine neue Spur anlegen können.

Da ich keine Lust hatte, noch vor dem Gipfel Pause zu machen, lief ich ein wenig in den Unterzucker und musste mich auf dem letzten Stück etwas schinden, bevor ich zehn nach elf den 2257m hohen Gipfel der Soiernspitze erreichte. Gigantisch war es hier oben: Unter mir der Soiernkessel und gegenüber die Karwendelketten. Wörner und Hochkarspitze, dann Bäralplkopf bis Östliche Karwendelspitze. Und hinter dem Bäralpl die Gipfel der Hauptkette mit den gigantischen Hängen des Marxenkars. Ein Privileg, jetzt hier oben zu stehen, bei Kaiserwetter und ganz ohne Trubel.

Der Schnelle machte sich gerade an die Abfahrt und ein paar Minuten später kam ein weiterer Alleingänger, der auf der Nordseite aufgestiegen war. Ich fragte ihn, ob es sich lohnen würde, dort abzufahren. Er meinte, er denke schon. Oje, dachte ich mir, dann muss ich da wohl doch noch runter. Obwohl ich ja schon ziemlich fertig war nach dem Aufstieg hier hoch.

Ich setzte mich unters Gipfelkreuz, machte Brotzeit, genoss die Aussicht. Währenddessen kamen weitere Skifreunde hier oben an, auch die Dreiergruppe vom Parkplatz. Wir wechselten ein paar Worte, dann machte ich mich allmählich abfahrbereit. Die aufgefirnte Südseite lockte schon auch, aber ich wollte doch noch einmal Pulver erleben in dieser Saison. Also querte ich hinüber zur Scharte P2120 zwischen Soiernspitze und Reißender Lahnspitze zur Einfahrt in den Soiernkessel.

Und dann ging es hinein ins Vergnügen. Ui, wie das staubte! Nach den ersten Schwüngen schaute ich lachend zurück zur Scharte. Egal, wie hart der Wiederaufstieg werden würde, das wäre es wert gewesen. Und das war es ja auch noch lange nicht. Drei wunderbare Skihänge — jeder einzelne besser als alle anderen Abfahrten in diesem Winter — bot mir das Gelände, bis ich den unteren der beiden Soiernseen (1549m) erreichte.

Hier unten gönnte ich mir noch einen Riegel und fellte wieder auf. Genial war das gewesen, jetzt käme der harte Teil. Am oberen Soiernsee vorbei stieg ich ins Feldernkar auf. Immer mal wieder hielt ich an, um Fotos zu machen und zu verschnaufen. Jup, jetzt war’s hart. Aber dafür war ich auch in einer fantastischen Szenerie unterwegs. Einige Tourengeher kamen mir entgegen, aber viel war hier nicht los.

An unserem Auffellplatz von der Feldernkreuzrunde vorbei stieg ich weiter und bald steilte das Gelände zum Feldernkopf hin auf. Der Ausstieg zur Felderngrube hin war dieses Mal überwächtet, so dass ich direkt zum Gipfel steigen musste. Im sehr steilen Gelände und mit dem tiefen Schnee war das schon Spitzkehrengelände der fortgeschrittenen Kategorie. Schließlich erreichte ich — erleichtert und einigermaßen kaputt — den zweiten Gipfel des Tages: Feldernkopf, 2071m. Tip top, damit war diese fiese Gegensteigung geschafft.

Ich machte natürlich noch mal Pause und ließ mir den Wind um die Nase wehen. Etwas Erholung hatte ich mit fast 2000 Höhenmetern in den Beinen nötig. Die Aussicht war auch hier herrlich von Karwendel bis Wetterstein. Die Ostflanke der Alpspitze stand dabei genau vor mir. Ich dachte schon, ich wäre der Letzte, der hier heute unterwegs sei, da kamen zwei Schneeschuhgeher zum Gipfel. Ich räumte den aperen Gipfelfelsen für sie und machte mich abfahrtsbereit.

Der Firn fuhr sich zunächst noch besser als erwartet, nur fehlte mir schon deutlich die Kraft, um richtig gut Ski zu fahren. Zu meiner Überraschung kamen mir sogar noch Tourengeher entgegen, die dann also noch mal deutlich später dran waren als sich. Ich folgte den zahlreichen Spuren in den Graben hinein, der nach unten hin immer weicher und immer botanischer wurde. Der Spaßfaktor nahm dabei genau so ab wie der Nahkampffaktor zu. Ok, hier war ich jetzt definitiv zu spät dran.

Leider verpasste ich die letzte gute Querungsmöglichkeit zum Aufstiegsweg und musste schließlich an einem teils aperen Wiesenhang sogar ein Stück zu Fuß gehen, um wieder in fahrbares Gelände zu kommen. Schließlich hatte ich auch das geschafft und erreichte den Wanderweg zur Ochsenalm. Hier abrutschen, dann etwas schieben zum P1169 und schließlich entspannt den Forstweg abfahren zurück zum Parkplatz.

Das war sich ja mal perfekt ausgegangen heute mit der langen Variante über die Soiernspitze. Immer noch grinsend packte ich mein Zeug zusammen und freute mich über diesen herrlichen Tourentag. Sollte es das jetzt gewesen sein mit der Skisaison, es wäre ein würdiger Abschluss gewesen.


Hannes

Ursprünglich Flachländer bin ich als Jugendlicher zufällig zur Liebe zu den Bergen gekommen. Seitdem bin ich immer wieder im Gebirge und gelegentlich auch am Meer unterwegs. Da ich schon immer gern geschrieben habe, startete ich 2010 dieses Blog, um andere Reiselustige und Bergfreunde an meinen Erlebnissen teilhaben zu lassen.

2 Kommentare

Mark · 2. April 2021 um 7:31 pm

Da hast du den freien Tag richtig gut genutzt. Ich habe das Gefühl, dass du angesichts der Beschränkungen sehr viel aus der Skitourensaison herausgeholt hat. Und nächste Woche soll ja noch einmal Schnee kommen…

    Hannes · 4. April 2021 um 10:46 am

    Ja, ich bin auch zufrieden. Die Beschränkungen haben auf jeden Fall meine Kreativität geweckt. Diese Tour hätte ich bestimmt nicht unternommen, wenn ich stattdessen ins Sellrain hätte fahren können.

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